Die Auswirkungen von Covid-19 heute zu verringern macht einen großen Unterschied für die Zukunft

Die Auswirkungen von Covid-19 heute zu verringern macht einen großen Unterschied für die Zukunft

ADominguez (1).JPG16. Juli 2020

Andrea Domínguez, Spezialistin für Global Capacity Building, spricht im Interview über den Oikocredit-Solidaritätsfonds.

Das Interesse der Oikocredit-Mitglieder und AnlegerInnen an unserem Coronavirus-Solidaritätsfonds war groß. Erfahren Sie im Folgenden mehr über den Fonds von Andrea Domínguez, die mit ihren KollegInnen für die von Oikocredit gebotenen Beratungen und Schulungen („Capacity Building“) verantwortlich ist.

Oikocredit unterstützt Partnerorganisationen auf verschiedene Weise bei der Bewältigung der Pandemie und kann mit dem Solidaritätsfonds zusätzliche finanzielle Unterstützung für besonders gefährdete Partner und deren KundInnen bereitstellen.

Andrea Domínguez koordiniert das Beratungs- und Schulungsangebot von Oikocredit im gesamten Netz der Regionalbüros im Globalen Süden. Aktuell koordiniert sie auch die Beratungen und Schulungen in Hinblick auf die Folgen des Coronavirus für unsere Partner, z.B. unseren Solidaritätsfonds. Sie arbeitet seit 15 Jahren für Oikocredit, anfangs in unserem Büro in Uruguay.

Wie ist der Coronavirus-Solidaritätsfonds entstanden?

Viele unserer EndkundInnen arbeiten im informellen Sektor von Kleinst- und Kleinunternehmen. Auch wenn ihre Geschäfte von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen waren, gab es immer noch die Möglichkeit, ihre Unternehmen am Leben zu halten. Doch die Kosten für die dafür benötigten Hygienematerialien und Schutzausrüstungen sind zusätzliche Kosten, die ihre ohnehin schwindenden Ressourcen belasten.

In der Unterstützung dieser besonders gefährdeten Partner und ihrer KundInnen sahen die Oikocredit-MitarbeiterInnen eine Chance zu helfen.

Wie sieht der Fonds aus und was tut er?

Der Coronavirus-Solidaritätsfonds, mit einem Anfangsbeitrag von 25.000 Euro von der Oikocredit International Support Foundation, wurde im April 2020 eingerichtet. Bei der Einrichtung handelt es sich nicht um einen eigenständigen Fonds oder eine eigenständige Stiftung, sondern um Gelder, die in der bestehenden Oikocredit-Stiftung, der Oikocredit International Support Foundation, angelegt wurden.

Ursprünglich bestand das Ziel des Fonds darin, die KundInnen unserer Mikrofinanzpartner bei der Anschaffung von Schutzausrüstung und Sanitärmaterial zu unterstützen. Nach Rückmeldungen von Partnern wurden die Ziele auf unsere Landwirtschaftspartner und andere dringende Bedürfnisse ausgeweitet.

Die Mittel sind begrenzt. Wie wählen Sie aus, wer die benötigte Unterstützung erhält?

Die anfänglichen 25.000 Euro waren ein geringer Betrag und mussten daher auf die Bedürftigsten ausgerichtet werden. Indem wir das Wissen unserer MitarbeiterInnen vor Ort nutzten, konnten wir die Mittel gezielt an die Partner vergeben, die sie am dringendsten benötigten.

Die jeweilige Partnerorganisation muss folgende Kriterien erfüllen, um für eine Finanzierung in Frage zu kommen:

  • in einem Gebiet mit schwerem Covid-19-Risiko arbeiten (z.B. in dicht besiedelten städtischen Gebieten)
  • KundInnen mit potenziell laufenden Unternehmen unterstützen, die Maßnahmen ergreifen müssen, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern
  • in Kontakt mit ihren KundInnen stehen und vorzugsweise auch aktiv an Maßnahmen zu ihrer Unterstützung während der Pandemie beteiligt sein
  • nicht bereits Unterstützung aus anderen Quellen erhalten

Wie viele Partner haben Fördermittel erhalten und wie haben sie die erhaltenen Mittel verwendet?

Oikocredit unterstützte 15 Partner mit den anfänglich 25.000 Euro. Dabei handelte es sich um zwölf Partner im Bereich der finanziellen Inklusion, zwei Landwirtschaftspartner und einen Partner im Gesundheitswesen. Darüber hinaus sammelte die Oikocredit Stiftung Deutschland 25.000 Euro für den Solidaritätsfonds. Infolgedessen wurden zehn weitere Partner zur Unterstützung genehmigt, und wir planen fünf weitere zu genehmigen.

Welche Auswirkungen hatte dies auf die EndkundInnen von Oikocredit?

Wir haben Berichte darüber erhalten, wie die Mittel verwendet wurden. Hier sind einige Beispiele:

  • Hygienepakete für KundInnen, die wichtige Haushaltsgegenstände verkaufen oder verteilen
  • Bewusstseinsschulung für KundInnen über verschiedene Kanäle
  • Verteilung von Grundversorgungsgütern an KundInnen, die Ausgangsverbote einhalten müssen und ihre Häuser nicht verlassen können
  • Desinfektionssets für KundInnen und MitarbeiterInnen von Partnern
  • Desinfektionsmittel-Sprühgeräte für Häuser von KundInnen und dörfliche Büroräume

Mitarbeiter der La Fayette Microfinance Bank Limited (Advans Nigeria) verteilen Sanitärpakete, die mit Unterstützung des Coronavirus-Solidaritätsfonds gekauft wurden.

Ist es für Personen bzw. Organisationen möglich an den Fonds zu spenden?

Ja, sie können an die Oikocredit International Support Foundation spenden. 

In Österreich können Sie über die Geschäftsstelle in Wien spenden. Überweisen Sie den gewünschten Spendenbetrag, unbedingt mit dem Verwendungszweck "Spende Solidaritätsfonds", bitte an folgende Bankverbindung:

Kontoinhaber: Oikocredit ISF

IBAN: AT57 2011 1826 7043 6100 / BIC: GIBAATWWXXX

Der Betrag wird in Folge an die Oikocredit International Support Foundation weitergeleitet. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an office@oikocredit.at.

Die Büros unseres Partners ASHI werden regelmäßig desinfiziert, wobei Materialien verwendet werden, die ebenfalls mithilfe des Solidaritätsfonds erworben wurden.

Haben Sie einige abschließende Gedanken für unsere Partner und AnlegerInnen?

Ich danke unseren Mitgliedern und InvestorInnen, was auch immer sie beitragen und auf welche Weise auch immer. Die Krise hat uns alle getroffen, aber natürlich werden die Schwächsten diejenigen sein, die am stärksten betroffen sind, vor allem mittel- und langfristig. Es geht nicht nur um die Pandemie, sondern auch um die Wirtschaftskrise, die folgen wird.

Ich lebe und arbeite jetzt in den Niederlanden, aber mein Herz ist in Lateinamerika, da die meisten meiner Familienmitglieder und FreundInnen dort sind. Die Pandemie betrifft uns alle, aber die Volkswirtschaften in Europa sind besser auf die Wirtschaftskrise vorbereitet, die Covid-19 verursacht. In den benachteiligten Teilen der Welt werden die Auswirkungen der Pandemie noch viel länger zu spüren sein. Wenn es uns also gelingt, die Auswirkungen schon heute ein wenig zu mindern, können wir einen großen Unterschied für die Zukunft der Menschen machen.

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