Eindrücke aus Kenia: Der „Water Man“ (Teil 2/2)

Eindrücke aus Kenia: Der „Water Man“ (Teil 2/2)

Elikanah.jpg09. Juli 2020

Ein Blogbeitrag geschrieben von Elikanah Ng'ang'a, Referent für Social Performance & Capacity Building für Oikocredit Afrika

Die Geschichte vom „Water Man“ erzählt von der Entschlossenheit eines Mannes die Covid-19-Kurve abzuflachen und liefert Lehren für Oikocredit-Partner, MitarbeiterInnen und InvestorInnen. In diesem zweiten Teil seines Blogs gibt Elikanah Ng'ang'a, der das soziale Wirkungsmanagement und die Schulungen für unsere afrikanischen Partner verantwortet, Beispiele dafür, was unsere Partner tun, um die Auswirkungen von Covid-19 auf ihre EndkundInnen zu verringern.

Im ersten Teil dieses Blogs erzählte ich die inspirierende Geschichte des „Water Man“. In den Wochen, nachdem ich diese Geschichte selbst gehört hatte, beschlossen wir, gemeinsam mit anderen KollegInnen herauszufinden, was die Oikocredit-Partner tun, um die Auswirkungen von Covid-19 zu mildern. Unsere Partnerorganisationen wissen aus unserem Due-Diligence-Prozess (Sorgfaltsprüfung), dass wir Fragen stellen, wenn die Dinge für ihre KundInnen – also unsere EndkundInnen – schieflaufen. Viele Partner verstehen den Auftrag von Oikocredit, dass es uns wichtig ist, was auf der Ebene der EndkundInnen geschieht. Gerade in schwierigen Zeiten wie dieser Pandemie werden wir alle auf die Probe gestellt, und hier bietet sich die Gelegenheit, das Herz unserer Partner wirklich zu verstehen.

Wir erhielten sehr ermutigende Nachrichten von den Mikrofinanzinstitutionen, mit denen wir zusammenarbeiten. Einige von ihnen hatten ihren KundInnen während der Ausgangsbeschränkungen gewährt ihre Rückzahlungen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Andere stehen in ständiger Kommunikation mit ihren KundInnen, um die Auswirkungen des Coronavirus auf deren Geschäft zu verstehen. Einige haben digitale Zahlungen und andere Covid-19-Schutzrichtlinien eingeführt. Während unserer Gespräche mit den Partnern stellten wir fest, dass einige von ihnen einen Schritt weitergegangen waren.

Hier sind ihre Geschichten, die für uns alle motivierend und ermutigend sind. Ihre Geschichten machen uns stolz darauf, für Oikocredit zu arbeiten und zu sehen, wie unsere Werte unsere Partner dazu bewegen, mehr zu tun.

Karongi Tea Factory, Ruanda: Kostenlose Mobiltelefone für KleinbäuerInnen

Karongi Tea Factory (KTF) ist einer unserer Partner in Ruanda. Der Partner kauft Grünteeblätter von kleinen, in Kooperativen organisierten TeebäuerInnen und verarbeitet und exportiert den Tee dann.

Vor drei Monaten traf Covid-19 Ruanda, und die Regierung Ruandas leitete Maßnahmen ein, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Eine der Maßnahmen waren digitale Zahlungen an die BäuerInnen. Nach Einführung dieser Maßnahme stellte die KTF jedoch fest, dass einige LandwirtInnen ihre Zahlungen nicht rechtzeitig erhielten. Untersuchungen zeigten, dass diese TeebäuerInnen keine Mobiltelefone besaßen. Daher verwendete KTF 10.000 US-Dollar für den Kauf von Mobiltelefonen für die BäuerInnen. Die Organisation ging eine Partnerschaft mit einem Mobilfunkanbieter namens MTN ein, der die BäuerInnen im Umgang mit den Geräten schulte. Die Handys wurden dann kostenlos zur Verfügung gestellt.

Karongi Tea Factory stellte den TeebäuerInnen Mobiltelefone zur Verfügung.

Oikocredit kooperiert mit KTF auch hinsichtlich eines Schulungsprojekts („Capacity Building“). Zwei Millionen qualitativ hochwertige Teesetzlinge sollen angebaut werden, um diese dann 2.000 KleinbäuerInnen zur Verfügung zu stellen. Trotz der vielen Herausforderungen von Covid-19 ist dieses Projekt mit der Einrichtung von Teegärtnereien gut angelaufen. Mit einer Erleichterung der Ausgangsbeschränkungen in Ruanda wird die Ausbildung für die KleinbäuerInnen wieder aufgenommen.

Paem Company Ltd, Kenia: Nahrungsmittelhilfe für GelegenheitsarbeiterInnen, die in der Fabrik von der Regelung Abstand zu halten betroffen sind

Paem Company Ltd (Paem) ist ein neuer Partner von Oikocredit mit Sitz in Kenia. Es handelt sich um ein Klein- und Mittelunternehmen (KMU), das Macadamianüsse von KleinbäuerInnen kauft und verarbeitet.

Als das Coronavirus Kenia erreichte, musste das in der Lebensmittelindustrie tätige KMU nicht schließen, sondern konnte weiterarbeiten. Es wurde jedoch erwartet, dass es die Richtlinien des Gesundheitsministeriums befolgt. Zu den Richtlinien gehört in der Fabrik Abstand zu halten. Infolgedessen mussten 114 GelegenheitsarbeiterInnen nach Hause geschickt werden. Während sich viele Organisationen dafür entscheiden würden, ihre MitarbeiterInnen gehen zu lassen und Kosten zu sparen, war dies bei Paem nicht der Fall. Sie beschlossen Mittel bereitzustellen, um diesen GelegenheitsarbeiterInnen Lebensmittel zu geben, bis sie wieder arbeiten dürfen. Paem weiß nicht, wie lange diese Situation noch anhalten wird. Aber sie verstehen, dass diese MitarbeiterInnen mehr als je zuvor ihre Unterstützung brauchen, um zu überleben. Denn zum jetzigen Zeitpunkt ist es nahezu unmöglich, eine andere Arbeit zu bekommen.

Tugende, Uganda: Bargeldzahlungen an MotorradfahrerInnen im Lockdown

Tugende ist einer unserer neuen Partner in Uganda. Das Sozialunternehmen finanziert einkommensschwachen MotorradfahrerInnen den Erwerb und Besitz ihrer Motorräder, damit sie mit ihren Transportdiensten ihre Familien mit einem höheren Einkommen unterstützen können. Sie tun dies aus dem Wissen heraus, dass viele einkommensschwache FahrerInnen in Uganda ihre Motorräder nicht besitzen, sondern dass sie sie bei Leuten aus der Mittelschicht mieten. Das schmälert jedoch ihr Einkommen.

Als Covid-19 in Uganda zuschlug, verhängte die Regierung eine totale Ausgangssperre in Kampala, wobei sowohl private als auch öffentliche Verkehrsmittel angehalten wurden. Auch Motorräder durften keine Passagiere befördern. Dies wirkte sich auf den Betrieb von Tugende und seine KundInnen aus. Um den Fortbestand der FahrerInnen zu sichern, beschloss Tugende, allen seinen KreditnehmerInnen Bargeldzahlungen für den Kauf von Lebensmitteln zu gewähren. Außerdem wurden sie von ihren Rückzahlungen befreit und etwaige Strafen für verspätete Rückzahlungen gestrichen. Während die meisten Organisationen die Befreiung von oder die Verschiebung der Rückzahlungen beendeten, beschloss Tugende daran festzuhalten, weil sie wissen, dass ihre KundInnen aktuell überhaupt kein Geld verdienen.

Ecamom, Côte d'Ivoire: Beteiligung am Materialeinsatz für Kakao-KleinbäuerInnen

Ecamom ist eine in der Elfenbeinküste ansässige landwirtschaftliche Genossenschaft und einer der Kakaopartner von Oikocredit.

Die Geschäftsführung von Ecamom berichtete, dass durch den Lockdown das Einsammeln der Kakaobohnen in den Monaten April und Mai um 50% zurückgegangen sei. Für die KleinbäuerInnen bedeutete dies einen schweren Einkommensrückgang. Daher fiel es den LandwirtInnen schwer die Grundbedürfnisse ihrer Familien zu decken. Es wirkte sich auch negativ auf ihre geplanten Investitionen zum Schutz und zur Vorbereitung ihrer Betriebe auf die Ernte der nächsten Saison aus.

Die Folge war, dass sich die meisten KakaobäuerInnen die Barvorauszahlung in Höhe von 20% für Dünger und Pestizide nicht leisten konnten. In den Jahren zuvor leisteten die BäuerInnen diesen Beitrag, und dann trat die Genossenschaft in ihrem Namen an den Lieferanten heran. Die Produkte müssen im April beim Lieferanten bestellt werden. Da die BäuerInnen dieses Jahr nicht zahlen konnten, beschloss die Genossenschaft den Betrag für rund 800 BäuerInnen vorzuschießen, was einem Gesamtbetrag von XOF 35.000.000 (ca. 53.000€) entspricht. 

Die Kooperative betont, ihr Ziel sei es, sicherzustellen, dass die BäuerInnen diese Situation überleben und in der nächsten Saison produktiv sind, in der sie Covid-19 hoffentlich hinter sich haben.

Greenforest Foods Ltd., Kenia: Erhöhung der Ab-Hof-Preise für KleinbäuerInnen

Greenforest Foods Ltd. ist ein KMU mit Sitz in Nairobi. Das KMU kauft und verarbeitet Nüsse und Honig von KleinbäuerInnen in Kenia und Tansania.

Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus sahen sich die KleinbäuerInnen, die Greenforest Foods beliefern, mit höheren Arbeitskosten konfrontiert. Dies lag daran, dass die Abstandsregelungen dazu führten, dass weniger Menschen auf den Feldern arbeiteten. Da die Mobilität der Menschen ebenfalls eingeschränkt war, konnten GelegenheitsarbeiterInnen aus nahegelegenen landwirtschaftlichen Betrieben mehr für ihre Arbeit verlangen.

Greenforest Foods-Geschäftsführer Athanas Matheka, der im Oktober 2019 zu Besuch in Österreich war, half seinen LieferantInnen finanziell.

Um sicherzustellen, dass die KleinbäuerInnen nicht die schwere Last der gestiegenen Kosten tragen müssen, erhöhte Greenforest den Ab-Hof-Preis (der direkt an den Landwirt oder die Landwirtin gezahlt wird), um sicherzustellen, dass die BäuerInnen das gleiche Einkommensniveau beibehalten. Greenforest Foods beschloss, den Preis für ihre Endprodukte nicht zu erhöhen, so dass diese Kosten von ihnen getragen wurden.

Bufcoffee, Ruanda: Versorgung von KleinbäuerInnen mit Färsen für die Ernährung ihrer Kinder

Bufcoffee ist einer der Oikocredit-Partner, der Kaffee von KleinbäuerInnen in Ruanda kauft.

Als die Regierung Ruandas die Schließung der Schulen anordnete, beschloss die Organisation, etwas zu tun, was nicht viele Organisationen tun. Sie dachten sich, dass die Kinder eine gute Ernährung brauchen, wenn sie daheim sind und sich gegen eine Infizierung mit dem Coronavirus schützen müssen – ansonsten erhalten die Kinder ihr Essen ja in den Schulen. Also beschlossen sie, ihren ärmsten BäuerInnen Färsen (weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben) zur Verfügung zu stellen. Sie hoffen, dass die Milch der Kühe dazu beiträgt, den Kindern die Nahrung zu geben, die sie brauchen, wenn sie außerhalb der Schule und zu Hause bei ihren Eltern sind.

Impexcor, Ruanda: Bereitstellung von Schutzausrüstung an Kaffeewaschstationen

Wie hält man bei der Ernte von Kaffeebohnen Abstand? Dies ist die Frage, die Impexcor, ein Kaffeeproduzent in Ruanda, zu beantworten versuchte. Die Organisation beschloss, die BäuerInnen zu schulen, wie sie mitten in der Pandemie sicher Kaffeebohnen ernten können. Neben anderen Maßnahmen schulten sie die BäuerInnen in der Einhaltung der Covid-19-Richtlinien auf dem Feld, zum Beispiel jede Kaffeepflanze nur einem Bauern oder einer Bäuerin zuzuweisen. Außerdem stellten sie den BäuerInnen an den Kaffeewaschstationen kostenlos Gesichtsmasken, Desinfektionsmittel und Seife zur Verfügung. „Wir brauchen gesunde Bauern und Bäuerinnen, jetzt und in den kommenden Jahreszeiten“, sagten sie.

Oikocredit unterstützt die Organisation außerdem dabei, mehr BäuerInnen auszubilden, nicht nur in Bezug auf die Covid-19-Richtlinien, sondern auch, um mehr Einkommen aus ihren Kaffeebäumen zu erzielen und zu diversifizieren, um besser auf das Auf und Ab der Kaffeepreise reagieren zu können.

Alle Informationen zu Covid-19 finden Sie in der Übersicht "Coronavirus" unter "Aktuelles".

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