Mit Tee gegen die Armut

Mit Tee gegen die Armut

KARO-RW-23.jpg27. August 2019

Friedhelm Boschert, Vorstandsvorsitzender von Oikocredit Austria, berichtet von der Pressereise nach Ruanda.

Im Juli lud Oikocredit fünf JournalistInnen aus Deutschland und Österreich ein, unseren ruandischen Partner Karongi Tea Factory zu besuchen. Begleitet wurden die JournalistInnen unter anderem von Friedhelm Boschert, der hier seine Eindrücke schildert:

Warum eigentlich eine Pressereise? Warum fahren wir alle 1-2 Jahre mit Journalisten in Länder der sogenannten Dritten Welt und besuchen Projekte, die von OIKOCREDIT und damit mit dem Geld unserer Anleger finanziert sind? Die einfache Antwort lautet: damit wir TRANSPARENZ leben. Denn Transparenz über die Verwendung der angelegten Gelder ist eines der zentralen Versprechen von OIKOCREDIT, mit dem wir uns von anderen Impact Investoren unterscheiden. Wir berichten laufend von unseren Partnern und geben in unseren Jahresberichten sowie auf der jährlichen Generalversammlung Einblick in die Verwendung unserer Gelder. Auch Berichte von unabhängigen Journalisten sind ein wesentlicher Teil der gelebten Transparenz von OIKOCREDIT.

Die JournalistInnen freuten sich über die Gelegenheit einen Oikocredit-Partner persönlich kennenzulernen.

Und so fuhren wir dieses Mal nach Ruanda. 5 Journalisten aus Österreich und Deutschland. Von Tages- und Wochenzeitungen, von Magazinen und TV-Sendern. Ruanda, das „Land der tausend Hügel“, liegt im östlichen Zentralafrika, ein kleiner Binnenstaat mit 12 Millionen Einwohnern, eingezwängt zwischen den beiden Riesenländern Kongo und Tansania. Das Ziel unserer Reise liegt im Westen des Landes, die Anbaugebiete des Tees an der Grenze zum Kongo. Doch unser erster Besuch galt der Zentrale der „Karongi Tea Factory“ in der Hauptstadt Kigali, die die Teeplantagen und -fabriken im Westen des Landes betreibt. Im Gespräch mit dem 80-jährigen Gründer und Patriarchen der Teefabrik, Jean Baptiste Mutangana, erfuhren wir von den Anfangszeiten der Teefabrik, aber auch „hautnah“ von der entsetzlichen Zeit des Genozids in Ruanda vor 25 Jahren. Für Jean Baptiste ist diese Zeit nun Vergangenheit, noch nicht alle Narben seien verheilt, aber Hutu und Tutsi könnten wieder zusammenleben.

Jean Baptiste Mutangana, Gründer und Besitzer von Karongi Tea Factory (Mitte), mit seinen Kindern David und Josiane Mutangana, die heute die Geschäfte führen

4 Stunden Fahrt in den Westen durch das Hügelland mit steilen, gut ausgebauten Straßen. Und weder in der Hauptstadt noch auf dem Lande säumen irgendwo auch nur ein Quäntchen Abfall oder Müll die Fahrbahnen. Präsident Paul Kagame hat seinem Land mit harter Hand einen ökologischen Kurs verordnet, der auch das vollständige Verbot von Plastiktüten umfasst. Der erste Besuch galt der Genossenschaft KATECOGRO, in der mehr als 2.800 Kleinbauern organisiert sind. Über diese Genossenschaft liefern die Bauern die frisch gepflückten Teeblätter an die Karongi Tea Factory, die dann die Verarbeitung übernimmt.

Die Genossenschaft ist nicht nur der zentrale Verhandlungspartner der Teefabrik, sie vertritt auch die Interessen der Kleinbauern und führt Schulungen und Seminare zur Verbesserung des Teeanbaus durch, wie uns Bernadette Nyiranez, die umtriebige Chefin der Genossenschaft, erläutert.

Ruanda wird auch das „Land der tausend Hügel“ genannt, der Teeanbau beginnt ab 2.000 Höhenmetern.

Am nächsten Morgen ging es hoch hinaus. Der Anbau des Tees beginnt ab 2.000 Höhenmetern, die von uns besuchten Felder von Kleinbauern lagen zwischen 2.300 und 2.500 Meter Höhe. Kühles und feuchtes Klima braucht die Teepflanze, die erst nach 3 Jahren zum ersten Mal eine Ernte ermöglicht und erst nach 12-15 Jahren den maximalen Ertrag liefert. Eine lange „Reifezeit“, die die Kleinbauern ohne Kredite kaum in der Lage wären zu bewältigen. Hier zeigt sich der Wert der Genossenschaft, die auch die Anzucht der Setzlinge übernimmt.

Teebäuerin Everena Mukazigira, Friedhelm Boschert und Teebauer Rawbeni Rubyogo

Hier mitten in den grünen Teefeldern konnten wir direkt mit den Teebauern sprechen. Übersetzungsdienste leisteten Oikocredit-Mitarbeiter aus dem ostafrikanischen Regionalbüro. Der Kleinbauer Rawbeni Rubyogo und seine Frau Everena Mukazigira haben einen halben Hektar Teeplantage, der ihnen nicht nur das Überleben ermöglicht, sondern es ihnen im Verlauf der Jahre auch ermöglichte, alle ihre 5 Kinder auf Schulen zu schicken, eines davon hat sogar die Universität abgeschlossen. Agnès Mukamumana bewirtschaftet weniger als einen halben Hektar, alleine mit Hilfe eines Tagelöhners namens Elias Ndarisamye; ihr Mann und ihre Kinder starben vor 25 Jahren im Völkermord. Die Teepflanzen sichern heute das Überleben von Agnès.

Agnès Mukamumana inmitten der Teepflanzen

Ein Kredit von knapp einer Million Euro von OIKOCREDIT an die Karongi Tea Factory ermöglichte nicht nur die Modernisierung der Produktion. OIKOCREDIT schulte darüber hinaus auch das Werkspersonal in Ablauforganisation, Qualitätssicherung, Lieferkettenmanagement und Teamarbeit. Sie schulte die bäuerlichen Genossenschaft KATECOGRO in genossenschaftlicher Führung und Ressourcenmanagement und trug dazu bei, das Qualitätsbewusstsein bei den Bauern im Hinblick auf die Teeblätter zu erhöhen und legte die finanzielle Grundbildung für die Bauern der Genossenschaft.

Knapp 5.000 Menschen beliefern die Teefabrik.

Heute liefern nicht nur die 2.800 Kleinbauern der Genossenschaft, sondern auch 2.000 angestellte Teepflücker jeden Tag ihre Ernte an die Teefabrik, wie uns David Mutangana, der Sohn des Gründers und der Leiter der Fabrik, erläuterte. Da der Tee ganzjährig gepflückt werden kann, sind auch die Einkommen stetig. Die Teefabrik verkauft den Tee auf dem internationalen Teemarkt in Kenias Hafenstadt Mombasa. 40 Prozent der Erlöse müssen den Kleinbauern zu Gute kommen, so schreibt es die Regierung vor.

Die Journalisten konnten nicht nur den gesamten Prozess der Teeproduktion von der Anlieferung der Blätter bis zum Stapeln der 60 Kilogramm schweren Teesäcke verfolgen. Ihre kritischen Fragen wie zum Mindestlohn (derzeit 1 Euro pro Tag) und den Arbeitsbedingungen der Teepflücker wurden von Fabrikleiter David Mutangana bereitwillig beantwortet. Nichtsdestotrotz prüft die OIKOCREDIT regelmäßig die Einhaltung der im Kreditvertrag aufgeführten sozialen und ökologischen Auflagen für die Teefabrik. Damit unsere Anleger auch sicher sein können, mit ihrer Geldanlage wirklich „Gutes“ zu bewirken.

In unserem Medienspiegel finden Sie die aus der Pressereise entstandenen Medienberichte. Einer davon ist die spannende Reportage von ServusTV:

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