Zweiter Quartalsbericht: Mit Widerstandsfähigkeit reagieren

Zweiter Quartalsbericht: Mit Widerstandsfähigkeit reagieren

News item DE.jpg21. August 2020

Hier bieten wir zusätzliche Hintergrundinformationen zu den Entwicklungen im zweiten Quartal 2020.

Portfolio und Finanzen unter dem Einfluss von Covid-19

Die Auswirkungen des Coronavirus sind auf der ganzen Welt zu beobachten, insbesondere in einkommensschwachen Gemeinden. Im zweiten Quartal 2020 erlebten Oikocredit und ihre Partnerorganisationen in vielen Aspekten die volle Wucht der Covid-19-Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen. Dank rechtzeitiger und solider Vorbereitung im ersten Quartal und kontinuierlicher Beobachtung im zweiten Quartal konnten wir unsere Arbeit kontrolliert fortsetzen und unsere Partner weiterhin unterstützen. Wir mussten jedoch unsere Erwartungen an die finanziellen Ergebnisse für das Jahr 2020 zurückschrauben. Verständlicherweise waren unser Entwicklungsfinanzierungsportfolio, unser Einkommen und unsere Bilanz davon betroffen. Das gesamt ausstehende Portfolio an Darlehen und Kapitalbeteiligungen ging im Laufe des Quartals um 6,9% auf 947,1 Millionen Euro zurück, was auf unsere Entscheidung zurückzuführen ist, uns nur auf die bestehenden Partner zu konzentrieren und zurückhaltend zu sein, wenn Partner um Refinanzierung bitten. Unser Nettozinsertrag verringerte sich entsprechend. Da wir auch bei unseren Anleihen einige Verluste erlitten, verzeichneten wir insgesamt einen Nettoverlust. Das Kapital der AnlegerInnen ging leicht um 1,1% auf 1.139,7 Millionen Euro zurück. Der Nettoinventarwert pro Anteil verringerte sich von 213,30 auf 210,94 Euro, was auf den Rückgang der Erträge und die relativ stabile Zahl der im Umlauf befindlichen Anteile zurückzuführen ist.  

Insgesamt blieb die Portfolioqualität am Ende des zweiten Quartals stabil, wobei sich PAR 90 (der Prozentsatz des Kreditportfolios, dessen Zahlungen mindestens 90 Tage überfällig sind) geringfügig von 6,8% auf 6,7% verbesserte. Regional gesehen war das Portfolio in Afrika weniger stark betroffen als in Asien sowie in Lateinamerika und der Karibik, wo Indien, Indonesien, Mexiko und Ecuador am stärksten betroffen waren. Um die finanzielle Situation von 114 Partnern zu entspannen, gewährten wir verlängerte Rückzahlungsfristen für ausstehende Darlehen, die 19% unseres gesamten ausstehenden Darlehensportfolios ausmachen; obwohl wir solche Partner weiterhin als nicht überfällig in ihren Rückzahlungen einstufen, sehen wir auch diese Kategorie als stärker gefährdet an als vor der Krise.   

Da die Auswirkungen von Covid-19 nun deutlicher zu Tage treten, hat Oikocredit im zweiten Quartal trotz der relativ stabilen Leistung des Portfolios in Bezug auf PAR 90 zunehmende Rückstellungen für Wertminderungen vorgenommen. Wir beobachteten die finanzielle Leistung unserer Partnerorganisationen und PAR immer genauer und bewerteten die Risiken auf allen unseren Märkten sehr regelmäßig. Das Quartalsergebnis entsprach im Großen und Ganzen unseren Erwartungen mit einer verbesserten Liquiditätsquote, die von 21,1% auf 25,8% stieg, da viele Partner ihre Darlehen weiterhin pünktlich zurückzahlten. Wir setzten die Darlehensvergabe an neue Partner aus, um die bestehenden besser zu unterstützen. Wir konnten trotz des Rückgangs unseres Portfolios und unserer Zinserträge eine stabile Investitionsbasis aufrechterhalten, da weniger Rückkaufanträge von AnlegerInnen gestellt wurden als zu Beginn der Krise erwartet. Der regelmäßige Dialog mit den nationalen Oikocredit-Geschäftsstellen und den regionalen Förderkreisen über die Situation in ihren Ländern hat dazu beigetragen, unsere Verbindungen zu den AnlegerInnen aufrechtzuerhalten und die AnlegerInnen darüber auf dem Laufenden zu halten, was Oikocredit unternimmt, um diesen Sturm zu überstehen.

Partnerorganisationen durch die Krise begleiten

Oikocredit hat auch im zweiten Quartal ihre Unterstützung für Partnerorganisationen in unseren strategischen Regionen Afrika, Asien sowie Lateinamerika und der Karibik angepasst. Neben der Gewährung von Zahlungsaufschiebungen haben wir die Kommunikation mit unseren Partnern intensiviert und anstelle von persönlichen Treffen Informationstechnologie genutzt, um sicherzustellen, dass wir verstehen, wie die Partner von der Pandemie betroffen sind und wie wir angemessene Hilfe leisten können. Indem wir Fragen stellten und den Bedarf klärten, konnten wir unsere Unterstützung individuell gestalten. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen standen unsere Webinare und Online-Treffen, in denen wir Ratschläge zur Geschäftskontinuität und zum Cashflow, zur Bewahrung der Gesundheit und Sicherheit von MitarbeiterInnen und KundInnen, zum Verständnis der Auswirkungen auf die KundInnen, zu Stresstests sowie zur Risiko- und Szenarienplanung gaben. Teil davon war auch der Austausch mit Führungskräften von Mikrofinanzinstitutionen, die in ihrer Reaktion auf die Pandemie führend sind.

Wir haben unsere Beratungen und Schulungen, wie zum Beispiel das Preisrisikomanagementprojekt zur Unterstützung lateinamerikanischer Kaffeekooperativen, so umgestaltet, dass sie ohne persönliche Treffen durchgeführt werden können. In Indien unterstützte unsere Tochtergesellschaft Maanaveeya die Gestaltung einer Broschüre im Comic-Stil. Diese soll bei Rollenspielen zur Förderung des Sicherheitsbewusstseins in Bezug auf Covid-19 für Mikrofinanzinstitutionen und ihre KundInnen eingesetzt werden. Wir haben auch spezielle Webseiten mit Ressourcen für Partner in der Krise eingerichtet.

Die Partner und ihre KundInnen sind unter Druck geraten, neue staatliche Vorschriften zu erfüllen, die sich auf die vollständige oder teilweise Einschränkung der Mobilität und der gesellschaftlichen Zusammenkünfte, auf soziale Distanzierung sowie auf persönlichen Schutz und Hygiene beziehen. Hier haben wir über unseren Coronavirus-Solidaritätsfonds die finanzielle Unterstützung für anfälligere Partner und KundInnen erhöht. Die Oikocredit International Support Foundation richtete den Solidaritätsfonds mit einer anfänglichen Summe von 25.000 Euro ein, die durch Beiträge der Oikocredit Stiftung Deutschland und Oikocredit Nederland aufgestockt wurde, sodass die im zweiten Quartal ausgezahlten Mittel 33.199 Euro erreichten. Der Solidaritätsfonds hat vielen Kleinst- und KleinunternehmerInnen im informellen Sektor und in einkommensschwachen Gemeinden mit Sensibilisierungsmaßnahmen und den Kosten für Sanitär- und Schutzmaterialien geholfen, damit sie weiterarbeiten können. Wir haben die Ziele des Solidaritätsfonds erweitert, sodass er nun auch Nothilfe für gefährdete Partner und ihre KundInnen im Landwirtschaftssektor sowie im Bereich der finanziellen Inklusion umfasst.

Ausblick auf die Zukunft

Mit einer konsolidierten Finanzlage und der Tatsache, dass die Geschäfte der meisten Partner einigermaßen gut funktionieren, ist Oikocredit positioniert, um sich den Herausforderungen eines unvorhersehbaren betrieblichen und wirtschaftlichen Umfelds zu stellen. Wir werden weiterhin die makroökonomische Situation in jedem Land, in dem wir arbeiten, bewerten, um sowohl Risiken als auch potenzielle neue Chancen für die Zukunft zu erkennen. Wir sind nach wie vor entschlossen, unseren Partnern bei Bedarf zu helfen, und werden bei der Entwicklung unserer organisatorischen Widerstandsfähigkeit, Agilität und Reaktionsfähigkeit zunehmend proaktiv vorgehen. Wir werden weiterhin regionale, überregionale und stärker lokal ausgerichtete Webinare und Online-Treffen für Partner durchführen, um Führung, gegenseitiges Lernen und Solidarität zu fördern und gleichzeitig die Unterstützung der Partner bei der Anpassung ihrer Geschäftsmodelle und der Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten zu verstärken, um den Bedürfnissen ihrer KundInnen gerecht zu werden und sie besser durch die Krise zu begleiten.  

Die vor uns liegende Aufgabe ist eher ein Marathon als ein Sprint, da die wirtschaftliche Erholung wahrscheinlich nur langsam voranschreiten wird und mögliche längerfristige negative Auswirkungen derzeit ungewiss sind. In der Zwischenzeit verbessern wir weiterhin unsere internen Kontrollen, überprüfen unsere Systeme und unsere Effizienz und beziehen die Lehren aus der ersten Jahreshälfte mit ein, um wirksam auf die vor uns liegenden Aufgaben reagieren zu können. Auch wenn der Umfang unseres Portfolios und unserer Erträge für eine Weile zurückgeht und wir die vor der Krise definierten Wachstumsziele nicht erreichen werden, bleiben wir bei unserer Mission und sind bereit, überall dort zu helfen, wo wir benachteiligten Menschen eine bessere Zukunft ermöglichen können.

Weitere Fakten und Zahlen finden Sie auf der Seite „Oikocredit International in Zahlen“.

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