Wertvolle Arbeit von Oikocredit-Partnern in Ghana

Wertvolle Arbeit von Oikocredit-Partnern in Ghana

FEDCO-GH-026.jpg17. Februar 2020

Vorstandsmitglied Aglaë Hagg-Thun berichtet über die Arbeit der Partner, die sie auf der Studienreise 2020 kennengelernt hat.

Kakaohändler FEDCO

Paul Bukuroh Appiah ist nicht mehr ganz jung. Der Kakaobauer liebt seine Kakaobohnen, ebenso seine sechs heranwachsenden Kinder. Alle erhalten eine Ausbildung. „Selbstverständlich auch die Mädchen!“, antwortet er stolz auf unsere Frage, „Die nächste Generation von Ghanaern wird ja auch von ihnen erzogen.“ Für die Mittelschule der Jüngeren braucht Paul neuerdings nicht mehr zu bezahlen, denn Ghana hat jüngst Schürfrechte für Öl ergattert und bietet jetzt zur Grundschule auch die Sekundarschule kostenlos an. Egal, welchen Beruf sie ergreifen werden, die Kakaopflanzung liegt allen Kindern am Herzen. Das Mithelfen während der Ernte gehört zum Familienleben dazu.

Paul Bukuroh Appiah (5.v.l.) im Gespräch mit Aglaë Hagg-Thun (4.v.r.) und anderen TeilnehmerInnen der Studienreise 2020 nach Ghana.

Die Qualität der Bohnen ist ihm das Wichtigste, führt Paul weiter aus. Er schmeckt sie gekonnt und wir sehen ihm seinen Stolz dabei an. Er schlägt die Früchte auf, fermentiert und trocknet die Bohnen an der Sonne, verpackt sie in 64 Kilo-Säcke und bringt sie zur Gemeindewaage. FEDCO holt die Säcke dort ab und bezahlt die BäuerInnen sofort für ihre Arbeit, denn der Oikocredit-Partner hat immer Bargeld zur Verfügung, um sie nicht warten zu lassen. Als Angestellter im Einkauf und Instruktor wird Paul von den anderen geschätzt, er hat davon ein kleines Zubrot und erfreut sich seiner Autorität im eigenen Dorf sowie auch in den Nachbardörfern. Mit dem zusätzlichen Mischanbau von Cassava, Mais, Nüssen (Cashews, Erdnüsse, Kokos) und Plantains (Kochbananen) auf seiner 15 Ar großer Kakaoplantage sowie den Bananen und den Mangos für den Eigenbedarf wächst das ganze Jahr über genug. Was selbst nicht benötigt wird, verkauft seine Frau am dörflichen Markt.

Wichtigstes Prinzip des staatlich regulierten Kakaobusiness: Jede Kakaofrucht gehört dem Staat, der Kakao wird nur von der Behörde (Cocobod) exportiert. Der Oikocredit-Partner FEDCO ist einer der Zwischenhändler, der Zertifikate vergibt, etwa UTZ. Prämien werden dann auf den Sackpreis (2019: 515 Cedi = 86 €) aufgeschlagen. Nur etwa ein Prozent der ghanaischen Bauern produziert biologisch – es träumen aber viele davon, da der zu erzielende Preis wesentlich höher liegt. FEDCO ist an einer ständigen Kontrolle und Qualitätssteigerung so interessiert, dass sie Fortbildungsprogramme („Capacity Building“) für die KakaobäuerInnen wie Paul finanzieren: Es geht bei den Schulungen um die Pflege des Bodens und das rechte Schneiden der Bäume („Pruning“), ebenso auch die Schädlingsbekämpfung, die Fermentierungstechnik, die Trocknungszeiten und last but not least die Lagerungsweise.

Die Mini-Zentralbank ARB Apex Bank Ghana Limited

Die „Mini-Zentralbank“ gehört den rund 145 „Rural Banks“, den Banken im ländlichen Ghana. Apex betreut deren Filialen in 760 Zweigstellen durch Kapitalmanagement, Scheckeinlösungen, Clearing-Dienste, Mediationen bei Besitzstreitigkeiten und mit einer Garantie der Zahlungsinstrumente. Das spart den Rural Banks Kosten und Schwierigkeiten am kommerziellen Bankenmarkt.

Apex unterstützt die ländlichen Banken bei ihrem Tagesgeschäft.

Die Finanzierung durch Oikocredit hilft Apex dabei, dieses tägliche, operative Geschäft und die diversen Leistungen den Rural Banks zuverlässlich und rasch anzubieten.

PEG, der Anbieter für Haussolaranlagen

Dank Oikocredit-Partner PEG erhalten bereits 20 Prozent der unversorgten Bevölkerung Zugang zu Strom. Etwa 50.000 KleinstverdienerInnen – ihr Verdienst liegt zwischen einem und sechs Dollar – werden von PEG mittels einem Mini-Leasing System („pay-as-you-go“) mit Solarenergie versorgt.

PEG versorgt die ländliche Bevölkerung mit günstiger, zuverlässiger und sauberer Energie.

Das Darlehen von Oikocredit ermöglicht PEG den Ankauf des Materials. Mittels mobilen Bezahlens erwirbt die durchwegs ländliche Kundschaft ihre Glühbirnen, Radios, TV Sets, Eiskästen und Handy-Ladestationen. Besonders für die 50 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahren kann dieser Anschluss an die Zukunft gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Den Stolz in den Augen, besonders der Frauen und Jugendlichen, dass sie jetzt „dazugehören“ werde ich nie mehr vergessen.

Hier können Sie einen weiteren Beitrag von Aglaë Hagg-Thun zur Studienreise lesen. Auch auf dem Blog von Oikocredit Deutschland finden Sie viele Eindrücke aus Ghana.

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