Die Rolle grüner Mikrofinanz in der Bekämpfung des Klimawandels

Die Rolle grüner Mikrofinanz in der Bekämpfung des Klimawandels

Beitrag Maria Berger.jpg16. Jänner 2019

Unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Maria Berger hat sich in ihrer Masterarbeit mit diesem Thema beschäftigt.

Maria Berger untersuchte in ihrer Abschlussarbeit, wie die Mikrofinanz beitragen kann, eines der dringendsten Probleme unserer Zeit zu lösen. Dafür analysierte sie auch das Portfolio von Oikocredit. Im Folgenden stellt sie ihre Ergebnisse vor:

Wie kann Grüne Mikrofinanz zur Anpassung an- und Minderung des Klimawandels beitragen?
Rund um diese Forschungsfrage und basierend auf einem ausführlichen Literaturüberblick wurde das CLIMAFIN-tool1 an das Handlungsfeld von Mikrofinanzinstituten (MFI) angepasst und an Oikocredits Projektportfolio in fünf zentralamerikanischen Ländern angewandt. Das Ergebnis ist eine zwei-dimensionale Risiko-Matrix, welche einerseits zeigt, dass 99,6% des Portfolios in der Region einem mittleren bis hohen Klimarisiko ausgesetzt sind und anderseits, dass 52,6% der Projekte Klimamaßnahmen inkludieren und somit einen Beitrag zur Klimawandelbekämpfung leisten.

Grüne Mikrofinanz: Profit – People – Planet

Die Grüne Mikrofinanz basiert auf dem dreidimensionalen Konzept: Planet-People-Profit. Sie schließt also zusätzlich zum sozialen Schwerpunkt eine Umweltkomponente ein. In welcher Art und Weise und demnach in welchem Ausmaß die besagte Komponente verankert ist, variiert stark innerhalb des Sektors. Dies führt zu einer Breite an möglichen Strategien.

Prinzipiell kann zwischen Klimawandelminderung und Klimawandelanpassung unterschieden werden. Ersteres bezieht sich darauf, negative Externalitäten, welche aus wirtschaftlichen Aktivitäten resultieren, zu verringern, und umweltschonende, nachhaltige Praktiken und Tätigkeiten zu ermöglichen und zu fördern. Beispiele dafür sind der technologische Transfer bzw. den Zugang zu sauberer Technologie, vor allem zu erneuerbarer Energie, sicherzustellen und voranzutreiben, sowie lokale Öko-Innovationen zu fördern. Im Landwirtschaftssektor werden nachhaltige, alternative Anbauformen etabliert und Mikroversicherungen angeboten. Während dies eine proaktive Rolle des Mikrofinanzinstitutes verlangt, wird die Klimawandelanpassung bereits als unausweichlich betrachtet. Dies kommt daher, dass die Zielgruppe der Mikrofinanz in der Regel ein stärkeres und direkteres (Abhängigkeits-) Verhältnis zu ihrer Umwelt und deren natürlichen Ressourcen aufweisen, wodurch sich klimatische Veränderungen oder Naturkatastrophen dementsprechend existenzbedrohend auswirken können. Deshalb sind Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel nicht nur aus einer ökologischen oder sozialen Perspektive erstrebenswert, sondern oft notwendig um die finanzielle Nachhaltigkeit eines Mikrofinanzinstitutes zu sichern. Als vielversprechend gilt hier ex-ante Risikoverminderung in Form von wirtschaftlicher Diversifizierung und Akkumulation von Vermögen, um Krisen überstehen zu können und Bewältigungskapazitäten zu stärken. Instrumente dafür sind u.a. Mikroversicherungen und Sparprodukte sowie die Möglichkeit von flexiblen Rückzahlungsplänen. Außerdem gilt die Mikrofinanz aufgrund ihrer etablierten Reichweite in abgelegene Gebiete als potentieller Vertriebskanal von Entwicklungsgeldern, welche klimaresiliente Infrastruktur und Behausung finanzieren können.

Fallstudie: Klimamatrix für Oikocredit

Im empirischen Teil der Thesis wurde Oikocredits Projektportfolio in Zentralamerika analysiert.
Als erster Schritt wurde ein Klima-Vulnerabilitäts-Index für jedes der fünf Länder erarbeitet. Dieser basiert auf historischen Daten bezüglich Klimakatastrophen und Wetterextremen. Zudem wurde die Klimaresilienz der jeweiligen Länder basierend auf geplanten oder implementierten politischen Maßnahmen, welche jedes Land im Rahmen des Pariser Klimaabkommens deklarierte, gewichtet. Jedem Projekt konnte demnach, nach geographischer Lage, ein niedriges (L), mittleres (M) oder hohes (H) physisches Klimarisiko zugewiesen werden. In einem weiteren Schritt wurden alle Projekte des Portfolios in klimarelevante Sektoren unterteilt und deren Klimamaßnahmen basierend auf sektorspezifischen Kriterien bewertet. Ein Projekt trägt entweder zur Klimavulnerabilität (CV – Climate Vulnerability) bei, wenn keine adaptiven oder mitigativen Maßnahmen ermittelt werden konnten, oder anderenfalls zur Klimawandelbekämpfung (CA – Climate Action); (NA – unausreichende Daten).

Die resultierende Klimamatrix zeigt das Ergebnis aller analysierten Projekte anhand deren Kapitalwert in USD:

Aufschlüsselung der Beiträge pro Land zu Klimavulnerabilität (CV) und Klimawandelbekämpfung (CA), (NA – unausreichende Daten) basierend auf dem Kapitalwert der Projekte in USD:

Die zweite Graphik verdeutlicht, dass Ergebnisse selbst innerhalb derselben MFI stark variieren können. Dies hängt neben landesspezifischen Charakteristiken und Gegebenheiten damit zusammen, in welchen Sektoren gearbeitet wird. Die meisten Projekte in Honduras zum Beispiel sind im Landwirtschaftssektor angesiedelt, wo nachhaltige Anbautechniken einen positiven Beitrag leisten. Außerdem wird in erneuerbare Energie investiert. Ein beträchtlicher Teil des Portfolios in Guatemala hingegen fließt in die „klassische“ Mikrofinanz in Form von Kreditvergabe an MikrounternehmerInnen, wobei der Fokus in der Regel auf sozialen Aspekten liegt und das Ergebnis deshalb Verbesserungspotential in der Klimabilanz aufweist.

Kurzgefasst können folgende Schlüsse gezogen werden:

  1. Das Klimarisikopotential für den Mikrofinanzsektor in der Region ist signifikant und wird wahrscheinlich in Zukunft zunehmen.
  2. Es gibt Maßnahmen, welche MFIs ergreifen können, um dem Risiko auf gewissen Ebenen entgegenzuwirken und komplementär zu anderen Entwicklungsinstitutionen zu wirken.
  3. Obwohl es vielversprechende Möglichkeiten für Klimamaßnahmen gibt, ist die Wirksamkeit derer schwer messbar und stark kontextabhängig sowie die Mikrofinanz als Instrument zur Klimawandelbekämpfung limitiert und keineswegs als “Allheilmittel” anzusehen.

Maria Christina Berger
Masterarbeit in Socio-Ecological Economics and Policy
“Development Finance and Sustainability:
The role of (green) microfinance in combating climate
change”
Wirtschaftsuniversität Wien

Supervision: Ph.D. Irene Monasterolo

1 Monasterolo, I., Battiston, S. (2016). Assessing portfolios’ exposure to climate risks: an application of the CLIMAFIN-tool to the Caribbean Development Bank’s projects portfolio. Final deliverable Technical Assistance for Climate Action Support to the Caribbean Development Bank TA2013036 R0 IF2.

« Zurück