Einen Schritt weiter gehen: Interview zum Wirkungsbericht 2017

Ging-Ledesma-web_bearb.jpg20. August 2018

Ging Ledesma, Oikocredits Direktorin für AnlegerInnen-Betreuung und soziales Wirkungsmanagement, spricht über den Hintergrund des Berichts.

Oikocredit hat gerade den Bericht zum sozialen und ökologischen Wirkungsmanagement 2017 veröffentlicht. Wir sprachen mit Ging Ledesma, Oikocredits Direktorin für AnlegerInnen-Betreuung und soziales Wirkungsmanagement, um mehr zum Hintergrund des Berichts zu erfahren.

Oikocredit: Warum ist die Berichterstattung zum sozialen & ökologischen Wirkungsmanagement von Partnerorganisationen so wichtig für Oikocredit?

Ging Ledesma: Über die Partnerorganisationen, die wir unterstützen, erzielen wir soziale Wirkung, und daher spiegelt ihre Performance insgesamt die Wirkung unserer Investitionen wider. Soziale Wirkung, der Schutz der Umwelt sowie eine angemessene Rendite sind nicht nur für Oikocredit, sondern auch für unsere Mitglieder und InvestorInnenen von großer Bedeutung. Denn ihnen ist unser Auftrag wichtig: Organisationen durch finanzielle und schulungstechnische Unterstützung in die Lage zu versetzen, die Lebensqualität ihrer KundInnen und Mitglieder zu verbessern und damit auch deren einkommensschwache Gemeinschaften nachhaltig zu stärken. Wir müssen hier transparent sein und darüber Rechenschaft ablegen, inwieweit wir diesem Anspruch gerecht werden.

Diesen Geist der Transparenz, Offenheit und Verantwortlichkeit wollen wir auch bei unseren Partnerorganisationen fördern. Deshalb bitten wir sie, darüber Bericht zu erstatten, inwieweit sie die gesetzten Ziele erreichen. Durch Beobachtung, Begleitung und Analyse des sozialen Wirkungsmanagementsermitteln wir jene Bereiche, in denen unsere Partner Unterstützung brauchen und wo wir durch Beratung und Schulungen Wert schaffen können.

Was verrät der Bericht aktuell über Oikocredit?

Er zeigt, dass wir stets einen Schritt weiter gehen wollen, um zu gewährleisten, dass unsere Partnerorganisationen ihre KundInnen optimal betreuen. So schauen wir uns nicht nur ihre Aktivitäten und Ergebnisse an, sondern auch, ob Sozialauftrag und Praxis stimmig sind, wie es die jeweiligen Grundsätze vorgeben. Zu diesen Grundsätzen zählen u. a. KundInnenwohl, Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau, Umweltbewusstsein und Umweltschutz. Dabei berücksichtigen wir auch die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen und die Qualität der Unternehmensführung im Hinblick darauf, inwieweit die sozialen Ziele unserer Partner von ihren Leitungsgremien und Führungsteams umgesetzt werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass wir unsere Zielgruppen auch erreichen. Unser Portfolio inklusiver Finanzdienstleistungen entwickelt sich gut, was unsere Reichweite bei weiblicher Kundschaft betrifft. Das gilt ebenso für unser Portfolio Landwirtschaft und seine Reichweite bei KleinbäuerInnen.

Gab es in dieser Ausgabe des SEPR wesentliche Änderungen oder neue Entwicklungen?

Wir haben den Aufbau des Berichts angepasst, um die drei Schwerpunktbereiche, die wir finanzieren, wirksamer darzustellen: Inklusive Finanzdienstleistungen, Landwirtschaft und Erneuerbare Energien. Die vorigen Berichte stellten unser Projektfinanzierungsportfolio nur in zwei Abschnitten dar.

Was sind die Highlights und die Schwerpunktthemen in diesem Bericht?

Besonders hervorzuheben ist, dass Oikocredit im Hinblick auf die Reichweite bei weiblicher Mikrofinanzkundschaft auch weiterhin besser als der Branchendurchschnitt abschneidet. Knapp 90 Prozent der Kundschaft unserer Partnerorganisationen sind Frauen. Demgegenüber lag der Branchendurchschnitt 2016 laut der jüngsten Symbiotics MIV Umfrage bei 70 Prozent.

Der Bericht zeigt auch, dass die Zahl der Haushalte, die durch unsere Projekte im Bereich Erneuerbare Energien erreicht werden, deutlich gestiegen ist.

Außerdem konnten wir feststellen, dass neu genehmigte Projekte bessere Umweltbewertungen aufweisen. Das bedeutet, dass eine wachsende Zahl von Partnerorganisationen die Umweltschutzvorschriften beachtet, für die Art ihrer Tätigkeit relevante Zertifizierungen erhält (wie etwa Zertifizierungen für organischen Anbau oder fairen Handel), Umweltbildungsprogramme durchführt und das Bewusstsein für die Verwundbarkeit unserer Umwelt schärft.

Fast 90 Prozent der KundInnen unserer Partner sind Frauen.

Wie hilft Oikocredit seinen Partnern, ihre soziale Wirksamkeit zu stärken?

Wir haben beobachtet, dass manche unserer Partnerorganisationen zwar sehr anspruchsvolle soziale Ziele verfolgen, aber Schwierigkeiten bei der Erfassung ihrer Ergebnisse haben. Das ist ein zentraler Bereich, in dem sie Hilfe brauchen. Das ist nicht nur für unsere Partner als soziale Organisationen wichtig, sondern auch für uns. Wir wollen sichergehen, dass unsere Investitionen auch so eingesetzt werden, dass sie den einkommensschwachen Menschen, die unsere Partner betreuen, auch wirklich helfen.

Deshalb unterstützen wir unsere Partner dabei, für sich selbst herauszufinden, welche Indikatoren sie zur Überprüfung ihrer sozialen Wirkung nutzen können. Außerdem erarbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern einen Aktionsplan, damit sie dieses Monitoring in ihren Betriebsablauf integrieren können.

Gibt es Bereiche, in denen Oikocredit ihre Partner zusätzlich unterstützen will?

Unser Monitoring hat gezeigt, dass Partner im Hinblick auf Digitalisierung und den Fintech-Sektor Unterstützung brauchen. Hier ist Aufklärung über die Gelegenheiten und Chancen nötig, die sich für sie selbst und ihre KundInnen auftun. Dieser Bereich entwickelt sich extrem schnell: Jedes Jahr werden weltweit 31 Milliarden Dollar in Fintech investiert. Doch häufig wissen Oikocredits Partnerorganisationen noch nicht viel über diesen Bereich. Und diejenigen, die sich bereits mit Fintech beschäftigen, konnten die sich daraus ergebenden Effizienzen bisher noch nicht in Form niedrigerer Kosten an den EndkundInnen weitergeben.

Es besteht außerdem ein Bedarf an Produktentwicklung, da nur wenige Partnerorganisationen über andere Produkte als Kredite verfügen, obwohl andere Dienstleistungen, wie beispielsweise Sparkonten, ebenfalls extrem wichtig sind. Wir wollen unsere Partnerorganisationen hier bei der Weiterentwicklung unterstützen.

Oikocredit hat bereits Schritte in diese Richtung unternommen. So arbeiten wir gemeinsam mit einem digitalen Mikrofinanzinstitut an Kundenschutzrichtlinien und haben uns einer Allianz aus über 50 Fintech-InvestorInnen und digitalen FinanzinnovatorInnen angeschlossen, um neue globale Richtlinien für verantwortungsvolle digitale Finanzinklusion auszuarbeiten.

Erfahren Sie mehr zu den zentralen Ergebnissen des Wirkungsberichts 2017.

Laden Sie den Wirkungsbericht 2017 herunter.

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