Wirtschaften wie die Bienen – Gespräch mit Miel Mexicana

MIEL-MX-01.jpg23. Mai 2018

Luis Enrique Castañón Chavarría, Generaldirektor der Oikocredit-Partnerorganisation Miel Mexicana, spricht über seine Arbeit als Honigproduzent.

Die Bienen

„Honig ist ein großartiges Lebensmittel. Honig ist kein Süßungsmittel, sondern ein vollwertiges Produkt, das Eiweiß, Mineralien, Vitamine und anderes mehr liefert und überdies von den Bienen auf eine ungemein noble Weise produziert wird. Sie gehen sehr ähnlich vor wie unsere Genossenschaft. Die Bienen arbeiten immer für die Gemeinschaft und nicht für sich selbst. Die Bienen lehren uns, dass eine andere Form des Wirtschaftens funktioniert, ausschließlich zugunsten der Gemeinschaft. Der Honig selbst ist also schon ein alternatives Produkt, sein Rohstoff das Ergebnis eines alternativen Produktionsprozesses. Ist das nicht einzigartig?“

Luis Enrique Castañón Chavarría, Generaldirektor der Oikocredit Partnerorganisation Miel Mexicana

Die Genossenschaft

„Wir haben damals begonnen, Bio-Honig zu produzieren und zu exportieren, auch wenn sich keiner vorstellen konnte, dass es klappen würde. Als wir dann unseren ersten Exportvertrag abschlossen, bedeutete das für uns die Verwirklichung unserer Träume. Die Genossenschaft ist der Ort, wo wir unsere Träume verwirklichen können, wo wir uns entwickeln können, wo alles gerecht ist, wo wir kooperieren und uns mit anderen solidarisieren können. Wir haben die Genossenschaft gegründet, weil es in Mexiko fast keine Männer mehr gab, so viele waren in die USA ausgewandert und arbeiteten dort. Es gab fast nur noch ältere Menschen, Frauen und Kinder, die in extremer Armut lebten. Die Idee am Anfang war, Arbeitsplätze für die potentiellen Emigranten zu schaffen, damit sie in Mexiko bleiben. Kleine ProduzentInnen haben sich zusammengetan und mit der Honigproduktion begonnen. All diese Menschen haben als Mitglied der Genossenschaft die gleichen Ziele. Die Genossenschaftsidee ist ein bisschen ungewöhnlich in Mexiko, weil sie aus Europa kommt. Wir haben das Modell adaptiert und die Besonderheiten unserer Mitglieder berücksichtigt, sie respektiert und integriert.“

Die ImkerInnen müssen nicht konkurrieren, sie können kooperieren.

Die ProduzentInnen

„Unsere ProduzentInnen leben in und mit der Natur, mitunter räumlich weit entfernt und doch nah beieinander. Die Menschen leben in der Familie und in der Gemeinschaft. ImkerInnen, die die ganze Arbeit alleine erledigen müssen, können sich nicht so gut entwickeln, weil es schwierig ist, die vielfältigen Aufgaben unter einen Hut zu bringen. Bei uns kümmern sich die ProduzentInnen darum, Honig bester Qualität zu produzieren, denn nur dann können wir gute Preise verlangen, und wir, als Verwaltungsabteilung, machen alles andere. Sie können sich weiterbilden, strategisch mitgestalten, müssen untereinander nicht konkurrieren, sondern können kooperieren. Wir haben mit Menschen gearbeitet, die sonst keine Chance gehabt hätten. Wir haben es geschafft, dass sie heute Bio-Honig in sehr guter Qualität produzieren und exportieren können.“

Aufgrund der schwierigen Verhältnisse vor Ort ist der mexikanische Honig besonders wertvoll.

Die zwei Welten

„Seit Beginn unserer Genossenschaft ist eine meiner Hauptaufgaben, als Übersetzer zwischen zwei Welten zu agieren: der europäischen und der mexikanischen Art zu leben und zu denken. Die ProduzentInnen müssen verstehen, dass der Honig in Europa beispielsweise eine bestimmte Qualität und eine bestimmte Verpackung haben muss. Die EuropäerInnen müssen wissen, dass in Mexiko unsere ProduzentInnen und ihre Familien jeden Tag Gefahren ausgesetzt sind, dass in Mexiko die Armut so präsent ist, dass die Menschen manchmal mit zehn US-Cent Essen besorgen müssen. In einem Umfeld, das geprägt ist durch Gewalt und Korruption, Bio-Honig im Einklang mit der Natur zu produzieren ist gar nicht so einfach. Wir müssen Flächen viele Kilometer von den Städten entfernt finden, damit wir ökologisch produzieren können; unsere ProduzentInnen müssen Kisten, die 30, 40 oder 50 Kilo wiegen, über lange Strecken tragen und sie in geeigneten Gebieten platzieren. Viele unserer ImkerInnen haben kein Leitungswasser zu Hause, haben keine Schule in ihrer Umgebung, manchmal auch keine Krankenhäuser. Wenn man all das weiß, bekommt man eine Vorstellung davon, wie wertvoll und kostbar unsere Produkte sind.“

Mit der Unterstützung von Oikocredit kann sich Miel Mexicana nachhaltig weiterentwickeln.

Die Partnerschaft mit Oikocredit

„Als Oikocredit zu uns kam, dachten wir, angemessene Kredite geben uns die Möglichkeit, dass unsere Organisation wachsen und stärker werden kann. Wir hatten keine Befürchtung, dass Oikocredit als Finanzierer uns das Geld oder das ganze Unternehmen wegnehmen würde. Deswegen haben wir darüber nachgedacht und entschieden, diese Unterstützung anzunehmen und zusammenzuarbeiten. Wir hatten das Gefühl, auf diese Art und Weise können wir unserer Unternehmen nachhaltig voranbringen. Denn das Wichtigste ist, die Genossenschaften für die Zukunft finanziell, organisatorisch, steuerlich, rechtlich besser aufzustellen. Das ist im Moment eine harte Arbeit, weil wir nicht genügend Ressourcen dafür haben. Seit 22 Jahren arbeiten wir daran und haben dieses Ziel noch nicht erreicht.“

Über Miel Mexicana

Miel Mexicana Volcán Popocatepetl SC de RL (Miel Mexicana) produziert und exportiert Bio-Honig für den fairen Handel. Die Anfänge als Initiative einiger ImkerInnen reichen bis 1996 zurück, seit 2001 ist Miel Mexicana offiziell Genossenschaft und eine der ältesten Fairhandelsorganisationen in Mexiko. Die Fairhandels- und Bio-Zertifizierung verschafft ihr zudem einen klaren Wettbewerbsvorteil auf dem internationalen Markt. Miel Mexicana ist derzeit in neun Bundesstaaten mit starker sozialer und ökologischer Ausrichtung aktiv. Sie schult benachteiligte und marginalisierte Menschen in der Produktion von Bio-Honig und verhilft ihnen zu einem sicheren Verdienst. Die Genossenschaft fördert Frauen in der als Männerdomäne geltenden Imkerei, 20 Prozent ihrer Mitglieder sind Frauen. Miel Mexicana arbeitet seit 2015 mit Oikocredit zusammen. Weitere Infos sind in unserer Partnerdatenbank zu finden.

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