Das Geschäft mit den Reis-Aalen

Venus-Sadang-C.jpg23. November 2017

Reisaale, also: Reis-Aale, ursprünglich auf die Philippinen importiert und in den Reisfeldern zur Vernichtung von Schnecken ausgesetzt, haben sich zur Pest für philippinische BäuerInnen entwickelt. Sie vermehren sich viel zu stark und schaden den Reispflanzen. Täglich müssen sie abends per Hand auf den Feldern eingesammelt werden. Sie sind für die Reisbauern zu einer Plage geworden. Nicht so für Venus Sadang!

Die innovative Kleinunternehmerin hat 2007 von einer Verwandten erfahren, dass Reis-Aale in Taiwan eine beliebte Speise sind. Auf den Philippinen aß sie niemand, daher werden sie lediglich als Schädlinge gesehen.

Telefonanrufe und Internetrecherche brachten Venus dazu, die Aale als Chance zu sehen. So kam sie schlussendlich zu Mr. Chang, einem Taiwanesen, den sie überzeugen konnte, Reis-Aale zu importieren. Die Zusammenarbeit fing mit wenigen Aalen an.

Für die ReisbäuerInnen auf den Philippinen sind Reisaale eine Plage. Venus Sadang betreibt mit dem Verkauf der Tiere ein erfolgreiches Unternehmen.

Venus war 32 Jahre alt, als sie ihr Business startete. Sie lebte mit ihrem Ehemann und drei Söhnen auf der familieneigenen kleinen Farm. Sie betrieben Reis- und Maisanbau, hatten eine kleine Schweine- und Entenzucht.
Die Einkünfte reichten in keiner Weise. Obwohl Venus schon da versuchte, durch den Verkauf von AVON Produkten und einem kleinen Nachbarschaftsladen, den sie eröffnete, das Familieneinkommen aufzubessern, reichte es immer noch nicht! Insbesondere, wenn auch noch drei Kinder satt werden sollten. Immer wieder brauchte sie von Freunden und Verwandten Unterstützung.

In ABRASA fand sie eine Kooperative, die bereit war, ihr Geschäft mit den Aalen zu unterstützen. Sie erhielt ein erstes Darlehen von 100.000 PHP (das sind umgerechnet rund 1.900 Euro). Ein Bassin für die Aale musste her.

Heute, sieben Jahre später und nach 61 immer wieder aufgenommenen und treu zurückgezahlten Darlehen, benötigt Venus Sadang keinen Kredit mehr. Denn mittlerweile exportiert sie an Herrn Chang 500kg Reis-Aale pro Tag. Die Geschäfte laufen gut und die ganze Familie hilft mit. Zudem wurden weiteren Menschen Zusatzeinkommen ermöglicht. Venus bezahlt jetzt Bekannte, die für sie die Aale bei den BäuerInnen abholen, wenn diese sie nicht anliefern können. Ihr Schwager ist jetzt auch Reis-Aal-Exporteur, denn er hat einen weiteren Abnehmer in Taiwan gefunden. Genau wie zwei weitere Familien außerhalb des Dorfes, die jetzt auch mit Aalen arbeiten

Venus Sadang hat die schweren Zeiten ihrer Familie nicht vergessen. Sie steht loyal zu ABRASA und Mr. Chang, denn die beiden haben ihre Geschäftsidee unterstützt, als sie noch ganz am Anfang stand. Von dem Erfolg, den Venus hat, möchte sie etwas an die Gemeinschaft zurückgeben: Sie unterstützt finanziell 20 Kinder in der Volksschule und 19 SchülerInnen der Oberstufe.

Unsere Hochachtung für diese Frau.

Im Original ein Text von Sibylle Schwandt, Förderkreis Oikocredit Norddeutschland e.V.

« Zurück