"Zusammen können wir etwas bewegen!"

Thos Gieskes15. November 2017

Wir haben uns mit Thos Gieskes, dem Managing Director von Oikocredit, unterhalten. Er erzählt uns von den ersten sechs Monaten in seiner neuen Position als Geschäftsführer und spricht über die Stärken und Schwächen der Organisation.

Was können Sie uns über ihre ersten sechs Monate bei Oikocredit erzählen?

Ich habe viel erlebt und es ist eine tolle Erfahrung. Jeden Tag freue ich mich, wenn ich das Büro betrete und frage mich, wo ich etwas beitragen und verbessern kann. In gewisser Weise bin ich angekommen. Hier möchte ich arbeiten und weiterhin mein Bestes geben, um den hohen Erwartungen an mich gerecht zu werden. Ich habe die letzten sechs Monate damit verbracht, die verschiedenen Bereiche von Oikocredit, unsere Kolleginnen und Kollegen sowie die Branche kennenzulernen. Meine Lernkurve steigt immer noch an, aber ich habe das Gefühl, dass der Anstieg langsam abflacht. Mittlerweile kann ich mich mehr auf meinen Beitrag und meine Aufgaben als Managing Director konzentrieren.

Gibt es Momente, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Es gab einige inspirierende Momente. Einerseits, als ich Investorinnen und Investoren und Kolleginnen und Kollegen kennenlernte und andererseits, als ich unsere Partner rund um die Welt besuchte. Zum Beispiel war ich erstaunt, als an einem Samstag in Südwestdeutschland so viele Investorinnen und Investoren zur Generalversammlung erschienen und so motiviert über Oikocredit diskutierten. Unsere Mitglieder und Investoren haben den Willen, die Vision und Mission von Oikocredit weiterzutragen. Es war erstaunlich, zu sehen, wie wichtig unsere Organisation den Menschen ist und wie engagiert sie sind.

Ich bin außerdem in viele Länder gereist, in denen wir Partnerorganisationen finanzieren. Ein Besuch, der mir besonders in Erinnerung bleiben wird, war in Costa Rica. Wir besuchten eine Kaffeebauernkooperative, die Bäuerinnen und Bauern unterstützt - in den verschiedensten Bereichen, nur nicht im Bereich Kaffee. Nachdem der Kaffeeanbau erfolgreich war, realisierten sie, dass sie den Bäuerinnen und Bauern viel besser helfen können: Nämlich durch den Anbau anderer Nutzpflanzen, sodass sie nicht einzig vom Kaffeeanbau abhängig sind. Die Kooperative konzentriert sich auf Schulungen, Ausbildung für die Kinder und vieles mehr. Es hat mich in meiner Arbeit bestärkt, als ich sah, dass die Kooperative die Bedürfnisse ihrer Mitglieder erkannte und außergewöhnliche Methoden gefunden hat, sie bestmöglich zu unterstützen.

Thos Gieskes zu Besuch in Wien, Oktober 2017.

Oikocredit arbeitet gerade an ihrer Strategie. Können Sie uns hier erste Einblicke geben?

Wir werden unsere Strategie natürlich nicht komplett verändern. Aber wir möchten herausfinden, auf welche Bereiche wir uns fokussieren, wie wir unsere soziale und ökologische Wirkung maximieren, während wir die finanzielle Nachhaltigkeit im Auge behalten. Um das zu erreichen, brauchen wir Experten, die von einem neutralen Standpunkt beurteilen. Daher haben wir eine strategische Unternehmensberatung engagiert, die Erfahrung im Bereich Impact Investment hat. Diese hat bereits viele Informationen gesammelt, die uns die richtige Richtung weisen können.

Was waren bisher die größten Herausforderungen?

Wie bei jeder Organisation gibt es Dinge, die verbessert werden können. Bei uns sind die größten Herausforderungen derzeit auf externe Faktoren zurückzuführen. Ein Faktor sind die niedrigen Zinssätze, die natürlich nicht förderlich für eine Organisation wie unsere sind, die ja hauptsächlich von den Einnahmen durch Zinsen lebt. Eine weitere Herausforderung ist der schwache US-Dollar. Viele unsere Darlehen und Rückflüsse sind in US-Dollar, während unsere Finanzierungen und Dividenden in Euro ausgegeben werden. Zeitweise profitieren wir von den Wechselkursen, momentan haben sie aber leider einen negativen Einfluss. Daraus schließen wir, dass die Dividende nächstes Jahr voraussichtlich unter den gewohnten 2 Prozent liegen wird.

Daneben gibt es sehr wohl Faktoren, die wir beeinflussen können. Zum Beispiel arbeiten wir gerade daran, uns auf bestimmte Bereiche zu fokussieren und effizientere Arbeitsweisen zu finden. Ich glaube, wenn man sich auf gewisse Nischen konzentriert und in diesen Pionier bleibt, wird sich das in den finanziellen Ergebnissen positiv niederschlagen.

Auf welchen Stärken kann Oikocredit aufbauen?

Die Menschen, die hinter Oikocredit stehen, sind unsere größte Stärke. Nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern alle, die sich für Oikocredit engagieren. Mehr als 50.000 Personen arbeiten freiwillig mit und/oder investieren in Oikocredit. Zusammen können wir etwas bewegen und das macht uns zu einer einzigartigen Organisation. Es macht uns außerdem zu einem starken und verlässlichen Partner für die Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten. Es sind nicht die Finanzmärkte, die uns kontrollieren, sondern das Engagement und die Ideen der Menschen, die hinter Oikocredit stehen.

Eine weitere Stärke ist unsere Erfahrung, denn in vielen Ländern sind wir bereits über 40 Jahre erfolgreich tätig. Das sind Länder, in denen wir starke Beziehungen mit den Menschen, mit denen wir arbeiten, haben. Wir unterstützen unsere Partnerorganisationen bereits seit Langem und werden das auch in Zukunft tun - das schenkt den Menschen Vertrauen in Oikocredit.

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