BäuerInnen und Kooperativen in Argentinien: Die Zusammenarbeit trägt Früchte

Herminio Antonio Urrutia ist seit 1995 Mitglied der Kooperative „Frutícola“

Herminio Antonio Urrutia ist seit 1995 Mitglied der Kooperative „Frutícola“.

17. August 2017

Herminio Antonio Urrutia ist 61 Jahre alt und seit über 20 Jahren Mitglied der Kooperative „Primera Cooperativa Frutícola“ im Norden Patagoniens. Damals machte er sich selbstständig und schloss sich mit anderen ObstbäuerInnen zusammen.

Herminio half seiner Familie bei der Weintrauben-Ernte, seitdem er 14 Jahre alt war. Vier Jahre später hörte er das erste Mal von der Kooperative Frutícola, als er auf einer anderen Farm arbeitete, dessen Besitzer Mitglied war. Herminio träumte davon, sich selbstständig zu machen und so kaufte er schließlich 1995 sein erstes Stück Land. Auf sechs Hektar baute er zu Beginn Gemüse an, später Obst – die Region ist ja dafür bekannt, dass vor allem Birnen und Äpfel optimal gedeihen.

Stetiges Wachstum

Die Unterstützung der Kooperative machte es Herminio möglich, sich über Jahre stetig weiterzuentwickeln. Er kaufte und mietete größere Anbauflächen, mittlerweile befinden sich bereits 20 Hektar in seinem Eigentum. Auf diesen und den gemieteten weiteren 62 Hektar baut er Äpfel und Birnen an. Pro Jahr produziert er 1.200 Tonnen Obst!

Neben Herminio gibt es weitere ObstbäuerInnen in der Region, deren Geschichte ähnlich verläuft. Die Unterstützung der Kooperative spielt bei den meisten BäuerInnen eine wichtige Rolle und ist vor allem zum richtigen Zeitpunkt verfügbar. In den letzten Jahren unterstützte die Kooperative ihre Mitglieder nicht nur finanziell, sondern auch durch Trainings und Beratung zu effizienteren Anbaumethoden.

In wettbewerbsstarken Branchen kommt’s auf die Größe an

Primera Cooperativa Frutícola ist ein Teil des Oikocredit-Partners Productores Argentinos Integrados (PAI) in Argentinien. PAI ist eine exportorientierte Organisation, bestehend aus zwölf Unternehmen und Kooperativen in den Provinzen Rio Negro und Neuquén. Oikocredit arbeitet seit 2015 mit PAI zusammen, denn die positiven Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft sind nicht zu übersehen. PAI handelt mit Früchten, hauptsächlich mit Birnen und Äpfeln, die von rund 280 Klein- und mittelgroßen Betrieben angebaut werden. Der Markt für frische Früchte ist wettbewerbsintensiv und liegt größtenteils in den Händen einiger weniger multinationaler Unternehmen. Somit ist es für KleinbäuerInnen schwierig, ihre Waren eigenständig und gewinnbringend auf den Markt zu bringen. Die strukturelle und finanzielle Unterstützung sowie die ermöglichten Größenvorteile helfen BäuerInnen, faire und transparente Preise für ihre Produkte zu erhalten. PAI bietet ebenso an, Zubehör und Verpackungsmaterial in größeren Mengen zu kaufen, um so günstigere Einkaufspreise zu erhalten.

Fähigkeiten und Wissen fördern

PAI nimmt eine Schlüsselposition ein, indem sie BäuerInnen mit den nötigen Fähigkeiten und Wissen ausstattet, Produktion und Output zu optimieren. Die Organisation unterstützt Trainingsprogramme, die von einzelnen Mitgliedsorganisationen selbst durchgeführt werden. Dabei wird beispielsweise vermittelt, wie man Pflanzen am besten pflegt: Beschneiden, Ausholzen, Ernten, Bewässern, Düngen und auf die Umwelt achten. Außerdem hat PAI gemeinsame Programme mit internationalen Zertifizierungsstellen entwickelt, die für nachhaltige landwirtschaftliche Methoden stehen.

Die Obstplantage von Herminio.

Bio wird immer wichtiger

PAI ist einer der größten Frucht-Exporteure in Lateinamerika. In über 40 Länder werden die Produkte exportiert. Besonders wichtig sind der Organisation Bio-Früchte: PAI ist auch einer der größten Exporteure biologisch angebauter Früchte, ein Segment, das immer bedeutender wird. Derzeit machen die Bio-Früchte 20 Prozent von PAIs Exporten aus.

Herminio widmet 18 seiner insgesamt 62 Hektar großen Fläche dem Anbau von Bio-Früchten. Die Produktion der restlichen Hektar stellt er gerade auf biologischen Anbau um. Herminios Unternehmen wächst stetig und während der Erntesaison verdreifacht er die Zahl seiner Angestellten sogar auf 18 HelferInnen. Seine Mitgliedschaft bei der Kooperative hat also wirklich gefruchtet!

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