Ein Traum vom Schokoladenwald in Ghana?

16.07.17-Fedco-20388.jpg30. Juni 2017

Die jährlich stattfindende Generalversammlung von Oikocredit International ist der Grund, warum Ghana plötzlich so nah war und viele Mitglieder der Oikocredit-Familie in Accra zusammenkamen. Nach einer Woche voller Meetings war dann endlich der Freitag. Es ging hinaus aus dem Konferenzhotel und hinein ins Land!

Das Ziel ist der Oikocredit-Partner FEDCO (Federated Commodities Limited) – einer von nur 35 lizensierten Kakaoaufkäufern in Ghana. Dazu hieß es aber erst mal: Früh raus aus den Federn und rein in den Bus. Gemeinsam mit über 20 Kolleginnen und Kollegen ging es los in Richtung Kwabeng. 120 Kilometer trennten uns von unserem mit Spannung erwartetem Ziel!

Von Accra nach Kwabeng

Accra hinter uns zu lassen war schon ein langwieriges Unterfangen. Mit über 2 Millionen EinwohnerInnen ist die Stadt einfach riesig und keinesfalls mit Wien vergleichbar. Die Häuser sind eher klein und wirken willkürlich aneinandergereiht. Es gibt jede Menge Menschen, Gebäude und vor allem Staus. Aber ist das einmal geschafft, scheint sich die Landschaft ins Unendliche zu erweitern. Alles ist grün und wird nur von intensiv roter Erde durchbrochen.

Ist man einmal aus Accra draußen, scheinen Ghanas Wälder unendlich zu sein!

In Kwabeng trafen wir auf Mitglieder der dort ansässigen FEDCO-Gemeinschaft. Der Nachhaltigkeitsbeauftragte bei FEDCO, Victor Afatsaw, erklärte uns zu Beginn, wie eine solche Gemeinschaft aussieht: Rund 50 Kakaobauern schließen sich zusammen und bringen den von ihnen geernteten, getrockneten und fermentierten Kakao zu einer gemeinsamen Sammelstelle. Erst von dort aus verkaufen Sie ihre Ernte an FEDCO. Und wenn genug Kakao in der Sammelstelle ist, organisiert der FEDCO-Mitarbeiter vor Ort den Transport in die Lagerhalle des Bezirks.

Was ist das Besondere an FEDCO?

„Das erkläre ich gerne “ meinte Victor, „FEDCO kauft Kakaobohnen von über 100.000 kleinbäuerlichen Betrieben und 10.000 von ihnen haben außerdem eine UTZ-Zertifizierung (Programm und Gütesiegel für nachhaltigen Anbau von Agrarprodukten). Mit den Prämien, die diese 10.000 Bauern für nachhaltig angebauten Kakao bekommen, werden Schulen und Brunnen gebaut. Was jedoch gebaut wird oder worin sozial investiert wird, entscheiden die jeweiligen Gemeinschaften!“

Ergänzend dazu bietet FEDCO Schulungen in Bereichen wie geeignete Erntemethoden, Trocknung, Fermentierung und Transport von Kakaobohnen an.

Warum gerade Kakao und FEDCO?

Wer von uns gerne Schokolade nascht, denkt meist über den Geschmack und die leider damit verbundenen Kalorien nach, aber nur selten darüber, wie Kakao, der Hauptbestandteil unserer Schokolade, wächst. Bei unserem Ausflug in Ghana ergab sich die Möglichkeit, zumindest kurz und oberflächlich in einen Bruchteil des Alltags eines Kakaobauern hineinzuschauen. Und so kurz der Moment war, so wurde uns allen klar, dass das Leben eines Kakaobauern nicht einfach ist.

Stephen Agyare, ein Mitglied der FEDCO-Gemeinschaft in Kwabeng erklärte uns: „Bereits mein Großvater und meine Großmutter waren Kakaobauern. Wenn die Elterngeneration mit der Arbeit aufhört, übernehmen die Kinder.“ Das klingt stark nach Regelmäßigkeit und Beständigkeit, aber ist das denn immer noch so? Das wurde schon mitbedacht, erfuhren wir. Denn einer der älteren Gemeinschaftsmitglieder, Kwame Dzikunu, erklärt ergänzend: „Wir haben hier eine eigene Jugendgemeinschaft gegründet, die unsere Jugendlichen dazu ermutigen soll, sich für diese Arbeit zu interessieren.“

Und FEDCO wurde für die Farmer zu einen wichtigen und besonders zu dem richtigen Partner. Warum? „FEDCO behandelt uns wie ernstzunehmende, gleichberechtigte Partner. Wir müssen nicht auf die Bezahlung warten und mit Jahresende erhalten wir eine Prämie!“, erwiedert Opanyia Yaw Nrukmah, ein weiteres Mitglied dieser regionalen FEDCO-Gemeinschaft.

Besuch bei der Kakaosammelstelle von FEDCO in Kwabeng

Ein Wald voller Kakao - Ein Traum wird wahr?

Schon mal darüber nachgedacht, Kakao direkt vom Baum zu ernten und gleich vor Ort zu verkosten? Diese Chance ermöglichte uns Ofori Amafo! Nach dem Besuch der Kakaosammelstelle in Kwabeng ging es deshalb für uns weiter ins Land hinein. Wir konnten es kaum erwarten, endlich einen Wald voller Kakaobäume zu sehen.

Langsam ließen wir gepflasterte Straßen hinter uns und merkten immer öfter, dass die Busräder manchmal nicht mehr so richtig wollen und kurz vorm Ziel ist dann klar: den Rest des Weges machen wir auf unseren eigenen Füßen, denn an ein Weiterkommen auf der morastigen Straße war nicht mehr möglich. Wir liefen los und bemerkten schnell, dass der Regen der letzten Nacht ergänzt um das Blattwerk im Wald eine extrem rutschige Kombination sind. Vorsichtig, aber lachend und scherzend näherten wir uns unserem Ziel: dem Wald von Ofori Amafo.

Ofori Amafo bei der Ernte der KakaofrüchteWir wurden herzlich begrüßt und wunderten uns, dass doch viele Kakaofrüchte an den Ästen hängen. „Momentan ist Nebensaison“, erklärte uns Ofori, „aber die Früchte sind zu einem guten Teil bereits reif. Ich habe sie für den heutigen Besuch hängen gelassen, aber danach beginnen wir mit der Ernte.“ Das sorgte bei allen Besuchern für Erstaunen – nur für uns hat Ofori mit der Ernte gewartet! Gleichzeitig lernten wir, dass in der Hauptsaison (Oktober bis Januar) noch viel mehr Früchte an den Ästen hängen.

Ein bisschen erfuhren wir außerdem über Oforis Farm und seine Familie. Rund 4 Hektar Wald bewirtschaftet die Familie. Nicht überall sind die Bäume so groß, wie in dem Teil, den wir besuchen durften. Kakaobäume können 50 Jahre und älter werden, müssen dann aber erneuert werden. Das kann geplant werden und ist durchaus eine – vor allem finanzielle – Herausforderung, weiß Ofori zu berichten. Aber hier unterstützt FEDCO mit Vorauszahlungen. Ein weiterer Pluspunkt für die Gemeinschaft.

Der FEDCO-Mitarbeiter, Nuruddin Essilfie, der uns zu Ofori begleitet weiß: „Mache Kakaobauern werden reich. Sie können es sich leisten, ihre Kinder in Accra auf ein Internat zu schicken.“ Auch Oforis Kinder besuchen die Schule in Accra, erfuhren wir scheinbar nebenbei. Damit wurde uns erneut bewusst, dass reich verschieden verstanden werden kann. Hören wir von reichen Kakaobauern, stellen wir uns vielleicht nicht unbedingt jemanden wie Ofori vor. Die Häuser, an denen wir auf unserem Weg retour zum Bus verbeikamen, wirken ebenfalls nicht so. Für Ofori bedeutet Reichtum vielleicht, dass er seinen Kindern mit einer guten Schulausbildung einen guten Start ins Leben ermöglicht.

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