Genossenschaften, Banken und Entwicklungsökonomie: Thos Gieskes‘ Weg zu Oikocredit

Thos-Gieskes.jpg19. April 2017

Seit Anfang April ist Thos Gieskes der neue Managing Director von Oikocredit. Mit einem Hintergrund in der Entwicklungsökonomie und über 30 Jahren Erfahrung in der Führung genossenschaftlich organisierter Banken, ist Thos schon sehr gespannt auf seine Rolle in einer Organisation, von deren Vision er überzeugt ist.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Mit Menschen zusammenzuarbeiten und gemeinsam zum Erfolg zu gelangen ist für mich am wichtigsten. Das klingt vielleicht ungewöhnlich für jemanden, der für viele Jahre in einer Bank arbeitete. Zahlen und Ergebnisse sind natürlich wichtig, Menschen sind aber noch viel wichtiger. Ich durfte bereits Teil vieler erfolgreicher Teams sein und es war immer das Beste daran, Erfolge gemeinsam zu feiern und Schwierigkeiten zusammen zu überwinden.

Sie haben fast 30 Jahre lang für die Rabobank gearbeitet, eine internationale Bank mit Sitz in den Niederlanden. Was motiviert Sie, weiterhin für eine genossenschaftlich organisierte Finanzinstitution zu arbeiten?

Ich lernte in dieser Zeit, dass das genossenschaftliche Modell extrem gut funktionieren kann. In Genossenschaften geht es ja darum, dass Menschen mit einem gemeinsamen Ziel zusammenkommen und dieses verwirklichen wollen. Meine Erfahrung zeigt, dass die Organisation beim Zusammenkommen guter Führungskräfte und engagierter Mitarbeitender für ein gemeinsames Ziel floriert. Es ist also ein großartiger Weg, ein Unternehmen zu organisieren und dabei den Sinn und das gemeinsame Ziel im Auge zu behalten.

Und was hat Sie motiviert, ausgerechnet für Oikocredit zu arbeiten?

Als ich die Stellenausschreibung das erste Mal sah, sagte ich zu meiner Frau: „Dieser Job ist wie für mich gemacht!“ Ich las mehr über Oikocredit, ihre Mission und Werte und die Rolle, die sie in der Welt verwirklichen möchte und wusste, dass es das ist, was ich machen möchte. Die Tatsache, dass vor über 40 Jahren Menschen zusammengekommen sind, um ihr Geld auf eine bessere Weise anzulegen, hat mich inspiriert. Oikocredit wurde auf der dem Gedanken „in Menschen investieren“ gegründet und genau das ist auch mir wichtig.

Außerdem bin ich von der Kombination eines soliden Businessplans und einer sozialen Mission überzeugt. Ich bin schon vielen Organisationen begegnet, die eine tolle soziale Arbeit geleistet haben, aber keine professionellen und finanziellen Resultate vorweisen konnten. Für eine erfolgreiche Organisation braucht man eben beides und genau das schätze ich sehr an Oikocredit.

Wie passen Ihre Erfahrungen zu Oikocredits Vision? [Anm.: Unser Ziel ist eine gerechte, partizipatorische und zukunftsfähige Gesellschaft – weltweit. Wir verfolgen dieses Ziel im Sinne des genossenschaftlichen Gedankens, bei dem Eigeninitiative und Teilhabe der Menschen im Zentrum stehen.]

Ich bin überzeugt, dass meine Leidenschaft, mit Menschen zu arbeiten und mein Hintergrund in der Entwicklungsökonomie, zusammen mit meiner Erfahrung im Banking und meinen Führungsqualitäten sehr gut zur Vision von Oikocredit passt. Die Vision deckt sich mit meinen Erfahrungen in Nicaragua, als ich dort meine Abschlussarbeit über Freiwilligenarbeit in der nicaraguanischen Kaffeeernte schrieb. Ich konnte miterleben, wie helfende Menschen viel mehr bewegen, als nur die Mittel zur Selbsthilfe. Das ist nachhaltig. Es wird immer Krisensituationen geben, in denen eine dringende Spende die beste Lösung ist, aber mit der Zeit ist es notwendig, Menschen die Möglichkeit zu bieten, aus der Armut zu entkommen. Das ist es, was Oikocredit macht und das ist wunderschön mitanzusehen.

Wie hat Sie Ihre bisherige Berufserfahrung für die Arbeit als Managing Director für Oikocredit gewappnet?

Die letzten 30 Jahre, in denen ich in vielen Teilen der Welt gelebt und gearbeitet habe, haben mich für diese Position gewappnet. In meiner letzten Position in Sydney, Australien, war ich verantwortlich für einen Teil der Rabobank, der eine Bilanzsumme von 30 Millionen AUS hatte und 1.200 MitarbeiterInnen verschiedenster Nationalitäten beschäftigte. Für mich war das der ultimative Test, um zu beweisen, dass ich ein Geschäftsfeld richtig und erfolgreich führen kann. Als Volkswirt für Entwicklungsfragen und Finanzexperte kann ich sowohl zur sozialen, als auch zur geschäftlichen Seite von Oikocredit viel beitragen.

Sie haben in verschiedenen Ländern gearbeitet und kommen jetzt erneut zu einer internationalen Organisation. Was ist es, das Sie wieder in ein internationales Arbeitsumfeld zieht?

Seit ich denken kann, habe ich mich mehr als Weltbürger, als als Niederländer gefühlt. Es ist faszinierend, Menschen kennenzulernen, die eine andere Kultur, einen anderen Hintergrund oder eine andere Religion haben und zu denen man trotzdem eine gewisse Verbindung hat.

Von Menschen zu lernen, die aus anderen Ländern und Kulturen stammen, wo es eine andere Art der Expertise gibt, bringt einen großen Mehrwehrt. In Lateinamerika mehr über die dortige Landwirtschaft zu lernen, hat mir beispielsweise eine neue unverzichtbare Perspektive für meine Arbeit in Australien geliefert. Es war immer schon maßgeblich in meiner Entwicklung, neue Einblicke und Erfahrungen zu sammeln.

Worauf freuen Sie sich in Ihrem ersten Monat bei Oikocredit?

Ich freue mich schon sehr darauf, meine neuen KollegInnen kennenzulernen und tiefere Einblicke zu bekommen, wie Oikocredit funktioniert. Ich werde also sehr viele Fragen stellen und so viel dazulernen, wie ich kann! Ich denke, es wird toll, zu sehen, wie ich durch mein Wissen und meine Erfahrung am besten zur Entwicklung von Oikocredit beitragen kann.

Thos Gieskes

Kurzinfo zu Thos Gieskes

Als Geschäftsführer ist Thos Gieskes für die Leitung der Genossenschaft sowie die Umsetzung von Oikocredits globaler Strategie verantwortlich. Darüber hinaus vertritt er Oikocredit öffentlich als Sprecher.

Zuvor war Thos Gieskes fast 30 Jahre lang in Führungspositionen bei der Rabobank tätig, einer internationalen Genossenschaftsbank mit Sitz in den Niederlanden – unter anderem in Chile, Australien und den Niederlanden.

Thos Gieskes’ umfassende Kenntnisse und Erfahrungen in der internationalen Finanzwirtschaft erstrecken sich auch auf Agrarfinanz. Er hat einen Master-Abschluss in Entwicklungsökonomie der Freien Universität Amsterdam und spricht fließend Holländisch, Englisch und Spanisch.

Thos Gieskes ist seit April 2017 Geschäftsführer von Oikocredit.

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