Mikrofinanz ist mehr als nur Geld

Gaël Marteau (rechts) und Myrna Sabado, Kreditnehmerin und Gruppenleiterin bei ASKI21. Februar 2017

Nach unserem Besuch bei zwei unserer Partnerorganisationen in Luzon (Philippinen) im Rahmen der Oikocredit-Studienreise merkte ich schnell, dass es bei Mikrofinanz nicht nur ums Geld geht.

Beide Oikocredit-Partnerorganisationen, die wir besuchten, ASKI und CARD, existieren seit den 1980ern und wurden von Social Entrepreneurs gegründet, die eine Vision und ein Ziel vor Augen hatten: Es liegt nicht am fehlenden Willen, dass benachteiligte Gemeinschaften nicht so schnell wirtschaftlich wachsen! Alles, was eine bisher benachteiligte Gemeinschaft dazu braucht, ist umfassende Unterstützung.

Umfassend bedeutet in diesem Kontext: relevant, kontinuierlich, zielgerichtet, fair, loyal, sich entwickelnd und ganzheitlich. Oikocredits Partnerorganisationen beschreiten zusammen mit den KreditnehmerInnen den Weg von kleinen Darlehen bis zu teilweile mittelgroßen Unternehmen. Von „einfachen“ KreditnehmerInnen zu wichtigen Unternehmen am lokalen Markt; von Finanzdienstleistungen zu Bildungsdienstleistungen; und von rein geschäftlichem Support zu gemeinsamen Gesundheits- und Umweltschutzprogrammen.

Gaël Marteau (rechts) und Myrna Sabado, Kreditnehmerin und Gruppenleiterin bei ASKI

Als die Organisationen größer wurden und begannen, humanitäre und wirtschaftliche Weiterentwicklung zu fördern, entwickelten sich mehrere Organisationseinheiten, die heute noch von der ursprünglichen NGO geleitet werden. Es gibt nur eine Bedingung für ihr Wachstum: Die einzelnen Organisationen müssen nachweisen, dass ihr Vorhaben die Bedürfnisse ihrer KundInnen erfüllt. Für Oikocredit, die langfristig mit diesen NGOs zusammenarbeitet, ist diese Zielsetzung ein Anreiz, ebenfalls mehr als nur Finanzierung zu bieten. Tatsächlich arbeitet Oikocredit gemeinsam mit ASKI und CARD an zwei Pilotprojekten im Capacity Building. Die Soziale Wirkung bei den KreditnehmerInnen und die Katastrophenvorsorge waren die beiden großen Capacity Building-Programme in den letzten Jahren.

Wie die Soziale Wirkung bei den KreditnehmerInnen gemessen wird, ist zentraler Aspekt in der Mikrofinanz. Dafür wird der Progress out of Poverty Index (PPI) verwendet, eine Kennzahl, die in der Mikrofinanz-Branche anerkannt ist. Oikocredit fördert die Implementierung und bietet dabei technische Unterstützung für Partnerorganisationen an. Somit können diese den PPI als Werkzeug verwenden, um die Soziale Wirkung ihrer Arbeit zu messen. ASKI ist eine der vorbildlichsten Organisationen in dieser Hinsicht und konnte bereits interessante Daten zum PPI erheben.

Bei dem zweiten großen Projekt, der Naturkatastrophenvorsorge, entwickelte Oikocredit das „Disaster Risk Reduction & Management“. Ziel ist es, die Schäden von Naturkatastrophen möglichst gering zu halten. Die Philippinen sind eines der Länder, die am meisten unter Taifunen, Überschwemmungen, Erdrutschen und ähnlichen Vorkommnissen leiden. Oikocredit unterstützt seine Partnerorganisationen mit diesem Programm seit 2014. Die Arbeit hilft, durch Naturkatastrophen erzeugte Armut gar nicht erst wieder Überhand nehmen zu lassen.

Man versteht die Wichtigkeit, Soziale Wirkung zu messen, nach diesem Besuch auf den Philippinen besser. Lebensbedingungen verbessern sich stetig und die Risiken von Naturkatastrophen werden vermindert. Das ist es, was ich „Impact Investment“ nenne.

Ein Text von Gaël Marteau, der an der Studienreise auf die Philippinen teilgenommen hat. Er arbeitet bei Oikocredit Frankreich.

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