Regen – Für Kleinbauern Fluch und Segen zugleich

Lorena de Padres ist Kleinbäuerin und Mitglied bei ASHI, einer Mikrofinanzinstitution. Lugana, südlich von Luzon, Philippinen.02. Februar 2017

Die Philippinen sind das Land mit dem dritthöchsten Risiko für Naturkatastrophen. Regelmäßig bringen Taifune und Wirbelstürme starken Regen und Wind mit sich, die die Lebensgrundlage der ärmsten 60 Prozent der Bevölkerung bedrohen. Die meisten dieser Menschen leben in ländlichen Gebieten und müssen gleichzeitig gegen steigende Meeresspiegel, Erdbeben und vulkanische Aktivitäten ankämpfen.

Am Ende unserer Studienreise angekommen, nehme ich mir die Zeit, das soziale Engagement der Partnerorganisationen von Oikocredit, die wir auf den Philippinen besuchten, zu reflektieren.

Ich denke über die Situation für die Philippinischen Kleinbauern nach. Was bedeuten diese Wetterumschwünge für ihre Arbeit? Für die Kleinbauern ist es nicht nur die Menge des heftigen Regens, 20 Typhoons und unzählige Cyclone pro Jahr. Dazu kommt die Unvorhersagbarkeit des Wetters. Besonders die 30 Prozent der Bevölkerung, für die die Landwirtschaft ihre Lebensgrundlage bildet, leiden darunter. Viele von ihnen leben bereits unter der Armutsgrenze und könnten einen Verlust der Ernte nur schwer bewältigen.

Einige Tage davor, während wir die landwirtschaftlich geprägte Region Lugana, südlich von Manila, besuchten, lernte ich Lorena de Padres kennen. Sie ist Mitglied bei Ahon Sa Hirap Inc (ASHI), einer MFI, die eine Partnerorganisation von Oikocredit ist. Ich fragte Lorena, ob die Reisfelder ihres Mannes nicht überflutet werden würden, weil sie ohnehin schon komplett unter Wasser stünden. Es regnete immer weiter, aber Lorena versicherte mir, dass alles in Ordnung wäre: „Aber wenn die Reispflanzen Früchte tragen, werden sie schwerer und können vom Regen weggeschwemmt werden, was unsere Felder zerstört. Das Problem ist, dass wir nie wissen, wann und wie heftig der Regen kommt.“

Lorena und Enrico de Padre in Mitten ihrer Reisfelder. Lugana, Südlich von Luzon, Philippinen.

Für Kleinbauern wie Lorena und ihren Mann Enrico ist die Landwirtschaft seit Generationen Teil ihres Lebens. Ihre Vorfahren konnten das Wetter zuverlässig voraussagen; der Zyklus des Anpflanzens und Erntens funktionierte wie ein Uhrwerk; sie verdienten sich einen bescheidenen, aber beständigen, Lebensunterhalt.

Klimaforscher bestätigten in den letzten Jahren, dass diese extremen Wetterbedingungen immer häufiger, heftiger und vor allem unvorhersehbarer auftreten. Diese Umstände treffen die ärmsten Gruppen der Bevölkerung am schwersten. Oft sind alle Pflanzen der Kleinbauern auf einen Schlag vernichtet und ihre Einkommensquelle fällt weg. Deshalb braucht es Alternativen.

Die Zusammenarbeit mit ASHI

Lorena entwickelte die Idee, einen kleinen Kiosk zu eröffnen, in dem sie, neben anderen Produkten, den Reis ihres Mannes verkauft. Um diese Idee zu verwirklichen, bewarb sie sich bei ASHI für ein Darlehen von 25.000 PHP (ca. 470 Euro).

ASHI ist seit 2011 eine unserer Partnerorganisationen und verwendet Oikocredits Investition, um weitere 20 Filialen auf den Philippinen zu eröffnen. Ein Fokus liegt dabei speziell auf Mikrofinanz und der Unterstützung weiblicher Bäuerinnen, die in armen ländlichen Gegenden leben oder ihre Landwirtschaft nahe von Flüssen oder Gewässern betreiben.

Jimmy Ramos, Head of Operations bei ASHI, erklärte mir seine Arbeitsweise: “Alles beginnt damit, zu prüfen, aus welcher Region die Kundin stammt und ob sie in der Landwirtschaft tätig ist. So können wir unsere Mission, den Progress out of Poverty-Index zu verbessern, optimal erfüllen.“

Der erste Schritt zum Kredit ist es, Teil einer Gruppe gleichgesinnter Frauen zu werden. In diesen Gruppen erarbeiten die Frauen gemeinsam wichtige Fähigkeiten. Regelmäßige Meetings gehören dazu und unterstützen die finanziellen, praktischen und emotionalen Voraussetzungen.

Lorenas Pläne für die Zukunft

13 Jahre nach ihrem ersten Kredit hat sich Lorenas Leben sichtlich verbessert. Einerseits hat ASHI weitere Kredite gewährt, um das Haus der Familie in Stand zu halten und ihre 13-jährige Tochter Madeleine auszubilden. Andererseits arbeitete Enrico als Maschinist in Korea und Dubai und unterstützte seine Familie auf diesem Weg finanziell. In den letzten Jahren konnten die beiden ihr Traumhaus fertigstellen und die Landwirtschaft ausbauen.

Deshalb plant Lorena, ein Café zu eröffnen: „Ich bin eine sehr gute Köchin“, sagt Lorena lachend.

„Abgesehen von all meinen Geschäftsideen wünsche ich mir, in meinen 60-ern in den Ruhestand gehen zu können und mir keine Sorgen mehr um unser Einkommen machen zu müssen.“ Und ich entgegne mit einem Schmunzeln: „Dann haben wir beide ja den selben Traum.“

Lorena de Padres ist Kleinbäuerin und Mitglied bei ASHI, einer Mikrofinanzinstitution. Lugana, südlich von Luzon, Philippinen.

Ein Beitrag von Monica Middleton, Oikocredit Großbrittanien und Irland.

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