Die soziale Wirkung von Oikocredit bildet das Herz der Organisation

Die soziale Wirkung von Oikocredit bildet das Herz der Organisation

Annapurna 2.png30. Oktober 2020

Oikocredit Austria hat seine Webinar-Reihe mit Oikocredit International begonnen. In dieser bekommen Sie Einblick in die Wirksamkeit der Entwicklungsgenossenschaft.

Am Donnerstag, 8. Oktober haben sich rund 90 TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, Spanien sowie den USA und Kanada live zu unserem ersten Webinar mit Oikocredit International eingefunden. Anlässlich der Veröffentlichung des Wirkungsberichts im September 2020 wurde im Vortrag vor allem die Wirkung von Oikocredit in Zeiten von Covid-19 und darüber hinaus besprochen.

Der Geschäftsführer von Oikocredit International, Thos Gieskes, begrüßte die Teilnehmenden und stellte die Vortragenden des Webinars vor. Kawien Ziedses des Plantes (Global Social Performance Specialist), Andrea Domínguez (Global Capacity Building Specialist) und Yves Komaclo (Regionalbeauftragter für Westafrika) freuten sich einen näheren Einblick in die aktuellen Entwicklungen bei Oikocredit zu geben.

Kawien Ziedses des Plantes schildert das Ziel von Oikocredit die soziale Wirkung zu maximieren.

Kawien Ziedses des Plantes erklärte zu Beginn des Webinars den Fokus von Oikocredit auf die Verbesserung der Lebensumstände von einkommensschwachen Personen vor allem in ruralen Gebieten des Globalen Südens – erreicht werden diese Menschen durch die von Oikocredit finanzierten Partner. Mit dem jährlichen Wirkungsbericht, der erst im September veröffentlicht wurde, ist es Oikocredit ein Anliegen transparent über die Partner und EndklientInnen zu berichten, den Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) aufzuzeigen und ein allgemeines Bild über die Wirkung von Oikocredit im Globalen Süden zu zeichnen. Gieskes bekräftigte dazu, dass die Jahresberichte mit den Zahlen und Fakten rund um Oikocredit sozusagen den Kopf der Organisation darstellen, während die soziale Wirkung auf die Lebensumstände von EndklientInnen und der dazu gehörige Wirkungsbericht das Herz von Oikocredit sind.

Andrea Domínguez, zuständig für die Beratungs- und Schulungsangebote bei Oikocredit, hat in ihrem Teil des Webinars darauf hingewiesen, dass diese Angebote neben den Darlehen und Kapitalbeteiligungen einen wichtigen Bestandteil der Arbeit von Oikocredit ausmachen. So bietet Oikocredit beispielsweise Schulungen im Bereich des Risikomanagements in Bezug auf den Klimawandel oder auch die Digitalisierung an. Im Bereich der finanziellen Inklusion geht es wiederum vor allem um die nachhaltige Schaffung von Arbeitsplätzen durch kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). Und im Bereich der erneuerbaren Energie steht die Verbesserung des Zugangs von sauberer, erneuerbarer Energie für Haushalte im Fokus.

In diesen herausfordernden Zeiten hat ISUP (Oikocredit International Support Foundation) einen Coronavirus-Solidaritätsfonds zur Unterstützung bestehender Oikocredit-Partnerorganisationen und deren KlientInnen eingerichtet. Dieser wurde vor allem durch externe Spender, Organisationen und Einzelpersonen finanziert und überstieg eine Summe von 100.000 Euro. Konkret war das Ziel des Fonds die KreditnehmerInnen der Oikocredit-Mikrofinanzpartner dabei zu unterstützen, die neuen Covid-19-Vorschriften zu erfüllen, die es ihnen ermöglichen würden, ihre Geschäfte offen zu halten. Mittlerweile hat sich der Fokus des Solidaritätsfonds verschoben, da dringende Interventionen nicht mehr so notwendig sind wie zu Beginn der Pandemie. Künftig werden die Gelder für innovative Lösungen, die digitale Lösungen vorantreiben, verwendet. In diesem Video bekommen Sie einen Einblick, wie die Mittel des Solidaritätsfonds eine Kundin des kenianischen Oikocredit-Partners U&I Microfinance Bank unterstützt haben.

Mit Aufklärungskampagnen und viel Engagement durch die Covid-19-Krise

Unter dem Titel „Mikrofinanz in Zeiten der Pandemie“ fanden sich am 28. Oktober zur Mittagszeit über 80 TeilnehmerInnen online zusammen, um mehr von Ananya Pan (Beauftragte für Social Performance Management bei Annapurna) und Kumar Vaibhav (Leiter Institutionelle Finanzen bei Annapurna) über den Umgang mit der aktuellen Situation von einer der führenden Mikrofinanzinstitution (kurz MFI), dem Oikocredit-Partner Annapurna Microfinance Pvt aus Indien, zu erfahren.

Eröffnet wurde dieses Zusammentreffen von Bart van Eyk, dem Direktor für Kapitalanlagen bei Oikocredit International. Dieser hob vor allem das gute Führungsmanagement und die hohe Professionalität von Annapurna während dieser Krise hervor.

Bart van Eyk (Direktor für Kapitalanlagen bei Oikocredit International) freut sich auf das zweite Webinar der Reihe mit Annapurna Microfinance Pvt.

Annapurna ist seit 2010 Oikocredit-Partner. 2016 stieg Oikocredit mit einer Kapitalbeteiligung ein. Diese wurde 2017 und 2019 erhöht und liegt nun somit gesamt bei 8 Millionen Euro, einem Anteil von 9,6%. Die MFI hat sich mit 717 Niederlassungen in 19 Staaten Indiens und mittlerweile rund 6.000 Angestellten seit der Investition von Oikocredit verdreifacht. Der Fokus der Mikrofinanzinstitution liegt auf Frauen in ländlichen Gebieten und deckt sich somit mit den Zielen von Oikocredit. Die Mikrokredite werden an die rund 2 Millionen KundInnen zu 90% als sogenannte Gruppenkredite vergeben. 

Ananya Pan (Beauftragte für Social Performance Management bei Annapurna) stellt die von ihnen durchgeführte Studie zu den Auswirkungen von Covid-19 vor.

Im März und April dieses Jahres stand auch Indien unter einem Lockdown, der Annapurna zu einem abrupten Abbruch der Geschäftstätigkeiten zwang. Da die Abwicklung der Kredite vor allem durch direkten Kontakt zwischen den MitarbeiterInnen von Annapurna und den KreditnehmerInnen erfolgt, war Annapurna sowie der gesamte MFI-Sektor sehr stark von den Maßnahmen der Regierung betroffen. Um die Bedürfnisse der KundInnen in dieser herausfordernden Zeit zu verstehen und somit gut für sie da sein zu können, führte Annapurna von April bis Juli – während des Inkrafttretens der verschiedenen Phasen von Lockdown zu Lockerungen – eine Studie zu den Auswirkungen von Covid-19 mithilfe von Telefoninterviews durch. Der Hauptfokus der Studie lag auf den Auswirkungen von Covid-19 auf das Einkommen der KundInnen und Einschätzungen, wie lange die KundInnen die Einschränkungen durch Covid-19 finanziell überstehen könnten. Da die indische Regierung den Staat in verschiedene Zonen (grün, orange, rot – Anm.: ähnlich dem Ampel-System in Österreich) einteilte, war es Annapurna ein Anliegen die dadurch entstehenden, verschiedenen Auswirkungen auf die Lebensumstände ihrer KundInnen zu verstehen.

Dabei fand Annapurna bezogen auf die Phase „Lockdown 3“ heraus, dass 80% der Befragten ihre Kosten unter den Einschränkungen noch zwei Monate decken könnten. Hierbei zeigte sich vor allem, dass LohnarbeiterInnen in der Bau- und Fertigungsindustrie die größten Befürchtungen hatten. Rund die Hälfte der Befragten in der Branche gab an, dass sie mit ihrem Geld nur noch einen Monat auskommen würden. Unter den Befragten, die in der Viehzucht und Landwirtschaft tätig sind, gaben wiederum 40% an, dass sie sich bis zu mehr als drei Monate unter den Maßnahmen erhalten könnten.

Um Geld zu sparen und die Krise gut zu bewältigen, achteten die KundInnen vor allem darauf den Haushaltskonsum einzuschränken, nahmen finanzielle Hilfe von anderen in Anspruch, wendeten persönliche Ersparnisse auf und minimierten ihre Telefonkosten. Die größten Sorgen nach der Verkündung des „Lockdown 3“ waren die Infektion mit Covid-19, der Zugang zu Lebensmitteln und lebensnotwendigen Gütern, der Mangel an Bargeld, die Ratenzahlung von Schulden und die Rückkehr zur Arbeit. Da die Regierung relativ früh und klar die Möglichkeit des Moratoriums (Aufschub der Rückzahlungen) eingeführt hatte, war die Sorge um Rückzahlungen an hinterer Stelle.

Welche Schlüsse wurden aus den Ergebnissen der Studie für die operative Strategie von Annapurna gezogen?

Annapurna setzte vor allem auf drei Bereiche, um die Unterstützung ihrer KundInnen in der Covid-19-Krise sicherzustellen. Mit einem Video, der Verteilung von Masken, Desinfektionsmittel und Lehrmaterial zu Schutzmaßnahmen für KundInnen und MitarbeiterInnen startete Annapurna eine erfolgreiche Bewusstseinskampagne. Um bestehende KundInnen weiterhin bestmöglich unterstützen zu können, führte Annapurna neue Produkte ein. Diese umfassten einen Notfallkredit, der innerhalb weniger Tage unter minimalen Aufwand für die KundInnen zur Verfügung stand und bereits von über 40.000 KundInnen in Anspruch genommen wurde, sowie ein bedarfsgerechtes Moratorium. Darüber hinaus entwickelte Annapurna digitale Tools, um mittels Online-Zahlungsportalen die Services von Annapurna auch ohne physische Kontakte zu ermöglichen.

Zum Schluss bedankte sich Bart van Eyk bei den SprecherInnen von Annapurna Microfinance Pvt für das gelungene, informative Webinar und unterstrich noch einmal die Wichtigkeit direkt von betroffenen Partnern im Globalen Süden über ihre Erfahrungen in diesen Zeiten zu hören.

Wir danken allen TeilnehmerInnen für ihr Interesse, den Kooperationspartnern für die gute Zusammenarbeit und natürlich den SprecherInnen der beiden ersten Webinare ganz herzlich für ihr Engagement!

Am Dienstag, 17. November 2020 ab 19:30 Uhr setzen wir unsere Webinar-Serie mit Oikocredit International fort. Sie haben die Möglichkeit vom Fotografenehepaar Wim und Pauline Opmeer von „Opmeer Reports“ Einblick in die spannenden Geschichten hinter den Fotos von Oikocredit-Partnerorganisationen zu bekommen! Melden Sie sich dazu gleich hier an!

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